Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report

100.000 Euro pro Jahr, wer träumt nicht davon? Die Spitzen­kanz­leien locken den Nachwuchs mit attrak­tiven Start­ge­hältern. Wer zwei „gute“ Examen, Doktor­titel, LL.M. und sehr gute Fremd­spra­chen­kennt­nisse hat, kann sich den Arbeit­geber auswählen. Aber auch mit zwei „voll­be­frie­di­genden“ Examina sind die Chancen immer noch bestens.

Und der Rest? Von den 10.000 Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens werden mehr als 8.000 Anwalt. Anwalts­blatt Karriere blickt auch auf den Markt jenseits der Spitzen­kanz­leien. Der etwas andere Gehälter- und Einstel­lungs­report: Was verdient ein Anwalt z.B. im Verkehrs­recht oder im Insol­venz­recht? Gibt es überhaupt Stellen? Anwalts­blatt Karriere befragt dazu 300 Kanzleien.

Die Vielfalt des Marktes nutzen

Text: Nora Zunker, Berlin
Mitarbeit: Zakiya Mzee und Undine Christian, Berlin

Junge Juristinnen und Juristen haben zumeist nur eine sehr grobe Vorstellung davon, was sich hinter den Bereichen Energierecht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Transport- und Speditionsrecht verbirgt. Es gibt eine große juristische Vielfalt zu entdecken: Die Belange der Bundesnetzagentur sind nicht gleich denen eines Anlagebauern, die Prüfung eines Gesellschaftervertrags ist nicht gleich der Begleitung einer Unternehmensfusion und die Einhaltung der Lenkzeit wird anders geprüft als die der Strafvorschriften zum Gefahrguttransport. Lässt es sich also überhaupt als Energierechtlerin, als Gesellschafts- oder Transportrechtler in den Anwaltsmarkt einsteigen? Wie viel Spezialisierung ist notwendig? Die Anforderungen der Kanzleien an junge Anwälte variieren derzeit ebenso stark wie die Zukunftsperspektiven. Für Bewerberinnen und Bewerber gilt es,sich einen weiten Überblick zu verschaffen, um gezielt persönliche Schwerpunkte setzen zu können.

Der Markt ist in Bewegung. Veränderungen des nationalen und internationalen Rechts beeinflussen die Entstehung neuer Märkte, der Wunsch der jungen Absolventinnen und Berufsanfänger nach individueller Lebensplanung erhöht den Bedarf an flexiblen Karrieremodellen und die außerjuristischen Fähigkeiten gewinnen immer mehr an Bedeutung. In vielen Kanzleien findet derzeit ein Umdenken statt: Bewerberinnen und Bewerber müssen nicht in ein Schema passen – sondern in Branche und Kanzlei. Prädikatsexamen sind zwar nach wie vor ein sehr wichtiger Faktor für den Einstieg in die Großkanzlei und mittelständische Kanzleien begrüßen bei der Einstellung weiterhin einen Doktortitel. Doch verhandlungssichere Fremdsprachenkenntnisse, Fortbildungsbereitschaft und Kommunikationskompetenzen sind inzwischen mindestens ebenso wichtig. Es stellt sich immer mehr die Frage nach einem stimmigen Gesamtpaket, nach dem „passenden“ Bewerber und umgekehrt nach der „passenden“ Kanzlei. Dabei gilt derzeit für beide Seiten: Es ist für jeden etwas dabei. Der Trend: Gern klassisch, aber nicht schlicht.

Das umfangreiche Angebot an universitären Veranstaltungen und außeruniversitären Qualifikationswegen bietet den Vorteil, dass jeder seine Stärken nutzen und sich auf dem Anwaltsmarkt hervorheben kann. Angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten fragen sich einige Bewerber allerdings: Wie viele Zusatzqualifikationen sind nötig? Wie viel fachspezifische Erfahrung wird schon beim Kanzleieinstieg erwartet? Wir haben die Kanzleien gefragt, welche Qualifikationen für sie wirklich von Interesse sind – und warum.

Fremdsprachenkenntnisse sind heute branchenübergreifend nahezu in allen befragten Kanzleien Voraussetzung. Besonders wichtig ist verhandlungssicheres Englisch, im Handels- und Gesellschaftsrecht auch gern durch einen LL.M. belegt. Im Bereich des Transport- und Speditionsrechts sind auch Französisch- und Spanisch kenntnisse im Umgang mit Speditionsunternehmen nützlich. Bei rein im Inland tätigen Kanzleien im Energierecht wird gelegentlich einer besonders guten Deutschnote im Abitur der Vorzug gegeben. Auslandserfahrung wird besonders im Transport- und Speditionsrecht gewünscht. Ein Blick über den Tellerrand soll dabei nicht nur die Kommunikationsfähigkeit belegen, sondern eine gewisse Eigenständigkeit des Bewerbers sowie Offenheit für Neues zeigen. Die Bedeutung des Doktortitels hängt zumeist von der Kanzleiphilosophie ab. Im Handels- und Gesellschaftsrecht ist die Promotion für knapp die Hälfte der Kanzleien „wichtig“, in den übrigen Rechtsgebieten wird der Titel zumindest als hilfreich empfunden. „Eine Promotion fördert oft die Akzeptanz beim
Mandanten, die Autorität vor Gericht und beim Kanzleieinstieg ist erkennbar, dass sich der Bewerber mit einem Thema intensiv auseinandergesetzt und dabei die Arbeitstechniken ausgebaut hat, die für den Beruf notwendig sind“, fasst Rechtsanwalt Dr. Kay Uwe Bahnsen von Blaum Dettmers Rabstein (Hamburg) die Bedeutung des Doktortitels zusammen. Für die Mehrheit der Großkanzleien sind Prädikatsexamina nach wie vor Voraussetzung für eine Einstellung, aber auch mittelständische Kanzleien legen Wert auf die Noten als Indikator für fundierte juristische Grundfertigkeiten.

Im Handels- und Gesell schafts recht kann ein nur ausreichendes Examen daher gerade bei größeren Kanzleien das Aus der Bewerbung bedeuten.  Im Energierecht – das in der universi tären Ausbildung kaum vorkommt– ist der Ausgleich durch andere Qualifikationen bei der Mehrheit der Kanzleien möglich. Bei den Großkanzleien ist eine Kombination aus juristischer und praktischer Vorbildung gern gesehen. „Neben den Noten und einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist auch Verständnis der Sachmaterie wichtig. Durch die Arbeit bei einem Mittelstandsunternehmen oder Projektentwickler kann man beispielsweise einen guten Einblick in die praktischen Abläufe der Energiebranche gewinnen“, sagt Rechtsanwältin Magarete von Oppen von Arnecke Sibeth (Berlin). Im Transport- und Speditionsrecht fallen Bewerber mit Erfahrung im IT-Bereich oder einer Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann positiv auf. „Wir nehmen gern auch Quereinsteiger, die sich schon einmal mit anderen Aspekten der Materie befasst haben“, sagt Rechtsanwältin Dr. Sabine Rittmeister von Lebuhn & Puchta (Hamburg). BWL-Kenntnisse, unternehmerisches Geschick und wirtschaftliche Denkweise können im Handels- und Gesellschaftsrecht von Interesse für die einstellenden Kanzleien sein. „Man braucht neben der Anwaltspersönlichkeit auch eine Unternehmerpersönlichkeit“, sagt Rechtsanwalt Dr. Carsten Jaeger von Spieker & Jaeger (Dortmund). Jedoch soll das nicht bedeuten, dass zusätzliche Qualifikationen die juristische Grundausbildung von vornherein ersetzen. „Studierende und Referendare sollten sich auf die Examina konzentrieren. Solide Grundfertigkeiten und mit Bedacht gewählte Referendariatsstationen überzeugen mehr, als zahlreiche Praktika nebenher“, rät Rechtsanwalt Prof. Dr. Burkhard Binnewies von Streck Mack Schwedhelm (Köln). Eine zusätzliche Spezialisierung auf das Rechtsgebiet ist auch durch den Besuch des Fachanwaltslehrgangs möglich. Besonders im Transport- und Speditionsrecht können sich junge Anwältinnen und Anwälte durch gezielte Fortbildung von der Masse abheben. Dabei kommt einem Fachanwaltstitel in den Großkanzleien weniger Bedeutung zu, als in kleinen oder mittelständischen Kanzleien, für die er ein Akquisetool darstellt. Kanzleien, die Wert auf den Fachanwaltstitel legen, sind aber meist auch bereit, diesen durch Freistellung und Kostenübernahme zu unterstützen.

Neben allen formalen Kriterien spielt natürlich die Persönlichkeit des Bewerbers eine entscheidende Rolle. „Wir sind ein Team. Man steht nicht im Wettbewerb mit den Kollegen sondern bearbeitet die Mandate gemeinsam. Das erfordert aber auch, dass man sich auf den anderen einstellt und verlassen kann“, sagt Rechtsanwalt Dr. Achim Glade von Glade Michel Wirtz (Düsseldorf). Die Kanzleien wünschen sich vor allem begeisterungsfähige Bewerber, deren Lebensläufe ein besonderes Interesse für die Materie erkennen lassen. Oft ist es nicht so wichtig, auf welchem Weg die Berufsanfänger in die Kanzlei gelangen, sondern dass sie auf diesem Weg Branchenkenntnis und Softskills erwerben konnten. So können Bewerberinnen und Bewerber auch mit Publikationen oder Erfahrungen aus dem Hobby punkten. „Gute Examina werden vorausgesetzt, aber ein Lebenslauf darf durchaus bunt sein, denn Anwälte sollen schließlich interessante Persönlichkeiten sein“, sagt Dr. Frank Fellenberg, Partner der Kanzlei Redeker Sellner Dahs (Berlin). Der passende Einstieg ist eine individuelle Entscheidung Bewerberinnen und Bewerber, die bei ihrer Ausbildung hohe Anforderungen an sich selbst stellen, haben im Gegenzug auch Erwartungen an die Kanzlei. Hier gilt es dann bei der Bewerbung die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein, Sympathie und Verhandlungsgeschick im Bewerbungsgespräch zu zeigen. Gute Bewerber werden derzeit zum Teil händeringend gesucht. Welche Kanzlei die passende für den Einstieg ist, hängt vor allem von den Zukunftsplänen der Absolventen ab. Familienfreundliche Teilzeitregelungen bieten sowohl große als auch mittelständische Kanzleien rechtsgebietsübergreifend. Auch die Möglichkeit einer späteren Partnerschaft in der Kanzlei gibt es nahezu überall. Zu beachten ist: Die Chancen sind in einer kleineren Kanzlei deutlich höher als in den Großkanzleien. „Wir stellen nur Anwältinnen und Anwälte ein, mit denen wir uns auch eine Partnerschaft vorstellen können“, sagt Rechtsanwältin Dr. Bettina Tugendreich von Raue (Berlin). Oft ist nach vier bis fünf Jahren eine Juniorpartnerschaft möglich, um die Junganwälte in die Entscheidungsprozesse der Kanzlei einzubinden. Die vollständige Partnerschaft ist nach etwa sieben Jahren vorgesehen, in kleineren Kanzleien auch früher. Im Handels- und Gesellschaftsrecht lässt sich derzeit allerdings die Tendenz beobachten, dass viele Berufsanfänger anstelle der Partnerschaft einen Wechsel in die Rechtsabteilung eines Unternehmens planen. Die Antwort auf die Frage nach Großkanzlei oder einer eher kleineren Kanzlei richtet sich hauptsächlich danach,
wie der Schreibtisch des Einsteigers aussehen soll. Wer von vornherein selbstständig arbeiten will, sollte eher eine kleinere Kanzlei wählen. Aber auch fachlich gibt es Unterschiede: „In einerGroßkanzlei beginnt man meist schon in einem sehr speziellen Bereich, in einer kleineren, nichtspezialisierten Kanzlei erhält man hingegen einfacher einen Einblick über eine größere Bandbreite der anwaltlichen Tätigkeit“, sagt Rechtsanwalt Dr. Markus Heukamp von Herlitzius (Münster). Junge Juristinnen und Juristen sollten darüber hinaus im Blick behalten, dass nicht alle Großkanzleien Energie- oder Transport- und Speditionsrecht anbieten oder nur an ausgesuchten Standorten.

Spezialisierung: Weites Feld für Nischen Zudem stellt sich heute schnell die Frage nach einer weiteren Spezialisierung innerhalb des jeweiligen Spezialgebietes. Hier kennt jedes Rechtsgebiet seine eigenen Gesetze.

Energierecht: Die Entscheidung für das vergleichsweise kleine Rechtsgebiet des Energierechts ist schon eine erste Spezialisierung. Vorkenntnisse lassen sich vor allem durch Referendariatsstationen bei Energieversorgungsunternehmen oder in einer Kartellbehörde, durch die Mitarbeit in einem Forschungsinstitut, in Verbänden und Wirtschaftsministerien sowie das Lesen oder Publizieren von Artikeln in Fachzeitschriften erwerben. Von einer weiteren Spezialisierung zum Berufseinstieg rät Rechtsanwalt Dr. Maximilian E. Elspas von Beiten Burkhardt (München) aber ab: „Man muss die ganze Branche im Auge behalten, da alles ineinander greift. Es ist eher eine spätere Schwerpunktsetzung zu empfehlen.“ Diese ist aber auch notwendig: Das Energierecht umfasst unter anderem die erneuerbaren Energien, die klassische Erzeugung, die Netze und den Vertrieb. Mandanten sind Netzbetreiber, Stadtwerke, Anlagenbauern, Konzerne und Investoren. Die Tendenzen im Rechtsgebiet sind stark von den nationalen und internationalen gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängig. „Gute Verdienstmöglichkeiten gibt es grundsätzlich dort, wo große Summen investiert werden“, sagt Rechtsanwalt und Managing Partner Janko Geßner von Dombert (Potsdam). Unabhängig von der Schwerpunktsetzung sind in der Branche eine wirtschaftliche Denkweise und technisches Verständnis gefragt. Die Tätigkeit gestaltet sich stark interdisziplinär, sodass eine Übersetzung von technischen Ideen in rechtliche Lösungen gefragt ist. „Man muss stets den Überblick über alle energierechtlich relevanten Aspekte behalten: Die Mandanten werden in großen Projekten von der Idee bis zur Umsetzung und darüber hinaus begleitet“, sagt Rechtsanwalt Jörn Schnutenhaus von Schnutenhaus & Kollegen (Berlin).

Handels- und Gesellschaftsrecht: Die Grundzüge werden bereits während des Studiums vermittelt. Eine zusätzliche betriebswirtschaftliche Ausbildung oder Er -
fahrungen im Finanzsektor können helfen, die Belange der Unternehmen besser zu verstehen, sind aber keine Voraussetzung. Eine Spezialisierung innerhalb des Handels- und Gesellschaftsrechts lohnt sich laut Rechtsanwältin Dr. Viola Sailer-Coceani von Hengeler Mueller (München) später in jedem Fall: „Man sollte allerdings nicht schon im Studium die Scheuklappen anlegen. Für eine Spezialisierung hat man noch viel Zeit on the job.“ Um die eigenen Stärken zu finden, empfiehlt es sich vom Vertriebsrecht, über das GmbH- oder Aktienrecht bis hin zu Mergers & Acquisitions einen Blick zu riskieren. Das geht sowohl in einer großen als auch kleinen Kanzlei, denn umfangreiche und lukrative Mandate sind nicht nur bei den Großkanzleien zu finden. Durch die verstärkte Internationalisierung der vergangenen fünf Jahre entstehen immer neue Beratungsfelder. Der Bereich Compliance ist derzeit besonders gefragt. Das Rechtsgebiet sorgt aber auch an sich schon für Abwechslung: „Es macht Spaß, für verschiedene Branchen tätig zu sein und neue Einblicke zu erhalten“, sagt Rechtsanwältin Dr. Barbara Mayer von Friedrich Graf von Westphalen (Freiburg).

Transport- und Speditionsrecht: Ähnlich dem Energierecht ist auch das Transport und Speditionsrecht kein Teil der klassischen juristischen Grundausbildung. Wer hier eine Spezialisierung anstrebt, sollte sein Ziel allerdings so konkret wie möglich ins Auge fassen. Denn auch wenn eine weitere Spezialisierung den Markt enger werden lässt, kann man sich auch direkter empfehlen und entsprechende Branchenkenntnisse sammeln. „Es ist wichtig, sich von der Masse abzuheben“, sagt Rechtsanwalt Dr. Marcus Schriefers von Heussen (Stuttgart). Je nachdem, ob die spätere Tätigkeit im Bereich der Logistik, der Lagerung, des Land-, Luft-, See-, Eisenbahn- oder Binnenschifffahrtstransports liegen soll, können die Arbeit bei der Kammer für Handelssachen, einer Hafenbehörde, einer Reederei, eine Ausbildung als Speditions- oder Schifffahrtskaufmann oder IT-Kenntnisse von Vorteil sein. „Aber auch ganz persönliche Hobbies, wie etwa Segeln, können nützlich sein, da man ein besseres Verständnis entwickelt, welche Kräfte auf ein Schiff oder Container während einer Seereise einwirken können“, sagt Rechtsanwalt Dr. Niels Witt von SKW Schwarz (Hamburg). Auch die Wahl des Kanzleistandortes kann durch die Spezialisierung beeinflusst werden. Im Seetransportrecht konzentrieren sich die spezialisierten Kanzleien beispielsweise in den küstennahen Anwaltshauptstädten. Denn das Transport- und Speditionsrecht birgt eine Vielzahl von über nationales Recht hinausgehenden Fallkonstellationen. „Besonders spannend sind die großen internationalen Mandate“, sagt Rechtsanwalt Dieter Janßen von Büsing, Müffelmann & Theye (Bremen).

Fazit: Die Kanzleien erwarten also keine fertigen Spezialisten für Nischengebiete sondern vor allem aufgeschlossene und interessierte junge Juristinnen und Juristen, die ihren Weg zielstrebig gehen, dabei aber nicht vergessen, auch mal nach links und rechts zu schauen. Die entscheidenden Impulse für eine endgültige Spezialisierung dürfen gern auch durch die Arbeit in der Praxis kommen. Rechtsanwalt Marian Niestedt von Graf von Westphalen (Hamburg) rät: „Es ist wichtig, sich frühzeitig über seine Interessen klar zu sein, Prioritäten im Leben zu setzen und informierte Entscheidungen zu treffen.“

Der gesamte Beitrag aus Heft 2/2016 als PDF.

 

Was bieten Großkanz­leien im Bereich Mergers und Acqui­si­tions?

Die Übersicht aus dem Einstellungsreport Heft 2/2016 - Was bieten die Großkanzleien im Rechtsgebiet M&A als PDF.

Bringen Sie uns was mit! Reiz und Heraus­for­derung komplexer Mandate

Text: Nora Zunker, Berlin

Ermittlungen gegen DFB-Funktionäre wegen dubioser Zahlungen, Millionen-Schadensersatzklagen nach Kartellverstößen oder Prozess-Serien gegen große Versicherungsunternehmen – Mandate wie diese sind in den Wirtschaftsteilen der Medien präsent und reizen viele junge Anwältinnen und Anwälte. Einen großen bekannten Mandanten zu vertreten ist lukrativ, Einzelpersonen gegen einen solchen einflussreichen Gegner zur Seite zu stehen, erfordert ganzen anwaltlichen Einsatz. Doch wie stehen derzeit die Chancen, in Branchen wie dem Kartell-, Versicherungs- oder Sportrecht als junge Juristin oder junger Anwalt einzusteigen? Der Trend ist eindeutig. Bei der Nachwuchssuche geht es um konkrete Vorstellungen: Die Kanzleien wissen, wen sie suchen – und zwar Bewerber, die wissen, was sie erwartet. Die Kanzleien suchen gezielt nach passenden Bewerbern. Es geht darum, Verstärkung für die kleinen und großen Mandate zu finden, um junge Kolleginnen und Kollegen, die schnell und umfassend eingearbeitet werden und das Team langfristig verstärken. So achten die Kanzleien auf die Schwerpunktsetzung im Studium, Stationen im Lebenslauf und persönliche Interessen. Zwar sind Prädikatsexamina und Promotion vor allemfür die Großkanzleien nach wie vor wichtige Indikatoren für die juristischen Fähigkeiten eines Berufsanfängers, aber sie sind inzwischen längst nicht mehr alles, was zählt. Das stellt zum einen höhere Anforderungen an die Bewerber, bietet aber zum anderen die Chance, sich auf verschiedenen Wegen interessant und attraktiv zu machen. Ein Auslandsaufenthalt – nach Möglichkeit im englischsprachigen Ausland und mit Abschluss eines LL.M. – ist in vielen Kanzleien inzwischen gefragter als der Doktortitel. Ebenso interessant für Kanzleien ist Branchenkenntnis und -verständnis: Wer selbst in einem Sportverein oder -verband aktiv ist, versteht wie eine Unternehmensfusion abläuft oder den Fachjargon der Wirtschaftsprüfer beherrscht, fällt den Kanzleien auf. Bewerbern sollte bewusst sein, dass man neben den juristischen Grundlagen auch immer die wirtschaftlichen Entwicklungen des Marktes im Blick haben muss – und dass Mandate besonders an den Schnittstellen von mehreren Rechtsgebieten spannend werden.

Nehmen und geben: Wann kann es losgehen? Ohne eine solide juristische Grundausbildung geht es natürlich nach wie vor nicht. Für etwa 30 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien bedeuten nur „ausreichende“ Examina das Aus der Bewerbung. Gute Noten im Examen zeugen von einer schnellen Auffassungsgabe, guten juristischen Grundfertigkeiten und Stressresistenz. Das wiederum verspricht eine zügige Einarbeitung der jungen Kollegin oder des jungen Kollegen – und das wiederum lässt das Einstiegsgehalt in die Höhe steigen. Immer mehr Kanzleien machen die Einstiegsgehälter nicht an einzelnen Kriterien wie der Note fest, sondern schauen, wie schnell sich der Bewerber oder die Bewerberin in die Arbeitsprozesse einbringen können wird. Eine Promotion ist besonders im spezialisierten Kartellrecht für die Kanzleien sehr interessant. Anders als vor einigen Jahren müssen junge Juristinnen und Juristen sich heute keine kritischen Fragen mehr zu den Gründen für Ortswechsel oder Auslandsaufenthalte gefallen lassen – sondern eher, warum sie noch keinen Blick über den Tellerrand geworfen haben. Der LL.M. oder Stationen im Ausland versprechen eine gewisse Selbständigkeit, Neugier und Selbstorganisation. „Ein Jahr im Ausland ist eine Herausforderung und eine Bereicherung, die man in Gold nicht aufwiegen kann“, sagt Rechtsanwalt Dr. Ingo Brinker von Gleiss Lutz (München). Fremdsprachenkenntnisse sind inzwischen eine zwingende Voraussetzung, verhandlungssicheres Englisch wird erwartet. Im Kartellrecht kann für Termine in Brüssel auch etwas Französisch nicht schaden. Honoriert wird von Kanzleien vor allem eine frühzeitige Spezialisierung. Doch wann und wo lässt es sich am geschicktesten damit beginnen? Kartell-, Sport-, und Versicherungsrecht gehören nicht zur Basisausbildung der Universitäten. Jedoch bieten viele Fakultäten und Anwaltsinstitute inzwischen Workshops und Schwerpunktveranstaltungen in den jeweiligen Bereichen an. Darüber hinaus empfehlen Praktiker im Kartellrecht, Erfahrungen beim Bundeskartellamt, der EU-Kommission oder bei einem Praktikum in einer großen Kanzlei in Brüssel zu sammeln. Im Versicherungsrecht kann die Tätigkeit in Versicherungsunternehmen, Maklerfirmen oder bei der Kammer für Handelssachen eines Landgerichts hilfreich sein, im Falle einer Spezialisierung auf das Transportversicherungsrecht bietet sich für Referendare der Fachanwaltslehrgang Transport- und Speditionsrecht an. Für eine Spezialisierung im Sportrecht lohnen sich Praktika bei Vereinen und Verbänden oder ein Blick in die Schiedsinstitutionen. Auch eigene Erfahrungen im Sport sind hilfreich, sei es nun als Leistungssportler oder Trainer der Dorffußballmannschaft. Allerdings ist es ebenso nützlich, die Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich wie Arbeitsrecht oder Wettbewerbsrecht zu schärfen, denn reines Sportrecht gibt es so nicht. „Oft frage ich Bewerber: Was ist denn eigentlich Sportrecht? Hier zeigt sich dann, wer sich wirklich konkret mit seinem Berufswunsch auseinandergesetzt und seine rechtlichen Interessenschwerpunkte gefunden hat – Freude an der Sportbranche reicht da nicht aus“, sagt Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Schimke von Bird & Bird (Düsseldorf).

Das soll aber nicht bedeuten, dass diese Begeisterung nicht ebenso wichtig ist. Die Kanzleien wünschen sich Bewerber, die sich gezielt für das jeweilige Rechtsgebiet entscheiden und daran interessiert sind, sich fortzubilden. Es werden von den Kanzleien also keine „fertigen“ Anwältinnen und Anwälte erwartet. So investieren die Kanzleien in Fortbildungen und Fachanwaltskurse oder bieten nach Möglichkeit die Arbeit an einem Kanzleistandort außerhalb Deutschlands an. Man darf flexibel sein. Qualifizierte Berufseinsteiger haben derzeit nicht nur gute Aussichten auf eine erfolgreiche Bewerbung, sie werden sogar händeringend gesucht. Vor allem im Kartell- und Versicherungsrecht ist die Nachfrage hoch: Etwa 40 Prozent der Kanzleien suchen nach Nachwuchs. Besondere Nachfrage besteht in den Kanzleien jenseits der Anwaltshauptstädte, da es junge Anwältinnen und Anwälte nach dem Studium oder den ersten Berufserfahrungen immer seltener „in die Provinz“ zieht. Von den im Sportrecht tätigen Kanzleien wünschen sich etwa 20 Prozent anwaltliche Verstärkung für 2016. Und wie stehen die Chancen auf eine Partnerschaft? Über 80 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien sind an einer langfristigen Bindung auf Partnerschaftsebene interessiert. Die Möglichkeiten hier Partner zu werden, sind meist höher als in einer Großkanzlei. Im Schnitt beträgt die Zeit bis zur Partnerschaft 3 bis 6 Jahre. Doch nicht alle Bewerberinnen und Bewerber streben überhaupt noch eine Partnerreport schaft an. Beispielsweise nutzen junge Kartellrechtler verstärkt die Ausbildung in der Kanzlei, um später in der Rechtsabteilung eines Unternehmens anzufangen. Die Großkanzleien lassen den jungen Anwältinnen und Anwälten meist zu Beginn der Zusammenarbeit die Wahl, ob sie am Partnertrack überhaupt interessiert sind. Gerade für junge Juristinnen und Juristen stellt sich bei der Wahl des Arbeitsplatzes auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Darauf reagieren viele Kanzleien bereits: In jeder dritten mittelständischen Kanzlei sind Teilzeitmodelle vorgesehen, ebenso viele Kanzleien haben derzeit Einzelfalllösungen für die Elternzeit oder berufsbegleitende Promotionen. Doch funktioniert die Work-Life-Balance beispielsweise auch als Kartellrechtsanwältin in einer Großkanzlei, wenn Mandanten wegen einer Durchsuchung durch die Kartellbehörden kurzfristig Anwaltshilfe im Unternehmen brauchen? „Abgesehen von diesen speziellen Situationen sind die Verfahren in diesem Bereich zu organisieren – man muss sich aber auch trauen, sich Kinderzeiten zu schaffen, dann sind Familie und Beruf hervorragend vereinbar“, sagt Rechtsanwältin Dr. Daniela Seeliger von Linklaters (Düsseldorf). Auch im Sport- und Versicherungsrecht stehen sich Beruf und Familie nicht im Wege, zwar sind auch hier internationale Mandate nicht selten, jedoch ermöglichen moderne Kommunikationsmittel oder Partner vor Ort die Bearbeitung der Mandate, ohne dass spontan ins Flugzeug gestiegen werden muss. Verstehen, worum es geht.

Wie sieht der Alltag für junge Anwältinnen und Anwälte im Kartell-, Versicherungs oder Sportrecht also aus? Zurzeit liegt der Trend im Kartellrecht bei Schadensersatzklagen. Es gab in den vergangenen fünf Jahren vermehrt internationale Kartellverfahren, die durch die neue Kronzeugenregelung ausgelöst wurden. Die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen von Kartellgeschädigten ist gewissermaßen ein Annex dazu und wird auch in den kommenden Jahren zunehmen. Auch in den Bereichen Fusionskontrollverfahren und Compliance finden sich nach wie vor lukrative Mandate. „Da das Kartellrecht ein sehr spezialisiertes Rechtsgebiet ist, sollten Berufsanfänger darauf achten, von Anfang an einen Überblick über die gesamte Materie zu bekommen“, rät Rechtsanwalt Prof. Dr. Jan Bernd Nordemann von Boehmert & Boehmert (Berlin).Wichtig sind auch wirtschaftliches und technisches Verständnis sowie Kenntnisse im Bereich des Rechts am geistigen Eigentum, denn an Schnittstellen wie diesen wird das Kartellrecht besonders spannend. Rechtsanwältin Dr. Ines Zenke von Becker Büttner Held (Berlin) achtet bei jungen Kartellrechtlern neben den klassischen Einstellungsvoraussetzungen vor allem auf die „Begeisterungsfähigkeit für Märkte, Unternehmen und Politik.“ Die rechtlichen Konzepte im Bereich Kartellrecht sind beispielsweise mit denen in den USA gut vergleichbar, so bietet das Rechtsgebiet die Möglichkeit, weltweit zu beraten und sich mit anderen Jurisdiktionen auseinanderzusetzen. Die jungen Anwältinnen und Anwälte sollten Interesse anWaren und Dienstleistungen haben, Märkte im Detail verstehen und im Fachjargon mitreden können. „Es kommen beständig neue Produkte auf den Markt und dadurch treten neue Fragen auf. Hier ist dann jede Menge Raum für Argumentationen, was den Spaß an der juristischen Arbeit ausmacht“, sagt Rechtsanwalt Dr. Achim Herbertz von Spieker & Jaeger (Dortmund). Doch auch außerhalb der Kanzlei sollten junge Juristinnen und Juristen aktiv sein: „Man braucht Akquisitionsbereitschaft in Bezug auf Mandanten, am besten über die Herstellung und Pflege persönlicher Kontakte zu Entscheidungsträgern, sonst über Fachvorträge und wissenschaftliche Veröffentlichungen“, empfiehlt Rechtsanwalt Dr. Ulrich Schnelle von Haver & Mailänder (Stuttgart).

Text: Nora Zunker und Lisa Gut, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Wo wird besonders dringend nach anwaltlichem Nachwuchs gesucht? Welche Voraussetzungen sollten engagierte Bewerber mitbringen? Durch welche Qualifikationen lässt sich ein hohes Einstiegsgehalt erzielen? Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Bewerbers? Im aktuellen Report erläutern Anwältinnen und Anwälte offen, worauf es bei einer Einstellung ankommt. Der Report im Agrarrecht, Umweltrecht und Verwaltungsrecht schließt sich an den Report aus dem Sommersemester 2010 an.

Man muss nicht alles wissen, man muss wissen, was man will – und was die Kanzleien wollen. Dabei sollte klar sein, dass Verwal­tungs­recht, Umwelt­recht und Agrar­recht nicht alles eins sind. Sowohl die Mandanten als auch die recht­lichen Schwer­punkte und Arbeits­weisen unter­scheiden sich. Wer das Spiel der Bürokratie beherrscht, kann im Verwal­tungs­recht auf Sieg setzen. Mit politi­schen und techni­schen Entwick­lungen Schritt zu halten, ist eine Voraus­setzung, um im Umwelt­recht Fuß zu fassen. Im Agrar­recht gilt es, die Welt mit den Augen der Landwirte zu sehen und ihre prakti­schen Probleme juris­tisch zu lösen. Wer seine Stärken und Inter­essen früh kennt und fördert, kann gezielt die Aufmerk­samkeit der Kanzleien wecken.

Die Kanzleien schauen nicht nur auf die Examens­noten, sondern vor allem auf die Stationen im Lebenslauf. Zwar wünschen sich die Großkanz­leien Bewerber mit Prädi­katsexamen, schätzen aber ebenso eine Promotion oder einen LL.M. als Nachweis weiter­ge­hender juris­ti­scher Fähig­keiten. Die kleineren Kanzleien hingegen richten ihr Augenmerk auf fachs­pe­zi­fische Schwer­punkte in der Ausbildung und eine klare Linie, die die Bereit­schaft zur Spezia­li­sierung im jewei­ligen Rechts­gebiet signa­li­siert. Denn auch die Kanzleien, wissen, wen sie suchen: engagierte Bewerber, die sich bewusst für den jewei­ligen Fachbe­reich und die Kanzlei entscheiden. Sie setzten vor allem auf eine langfristige Zusam­men­arbeit.

Es muss nicht immer extra­vagant sein Was bietet das Verwal­tungs­recht außer den Struk­turen der VwGO? Eine ganze Menge, denn das Verwal­tungs­recht dient immer auch der Verwirk­li­chung der Grund­rechte. Anwälte stehen an der Schnitt­stelle von Bürger und Staat, sie vermitteln – und kämpfen, wenn es sein muss. Die notwen­digen rechts­dog­ma­ti­schen Kennt­nisse wollen viele Kanzleien durch eine intensive Ausein­an­der­setzung mit einer juris­ti­schen Frage­stellung bestätigt sehen, 50 Prozent der befragten Kanzleien im Verwal­tungs­recht ist daher eine Promotion wichtig. Im Umwelt­recht spielt der Doktor­titel eine geringere Rolle, doch Kanzleien, die ihn voraus­setzen, zahlen auch ein entspre­chend höheres Gehalt. Zudem erwarten 60 Prozent aller befragten Kanzleien im Umwelt­recht ein Prädi­katsexamen. Dass gleich beide Examen mit mindestens neun Punkten abgelegt wurde, ist für Umwelt­rechtler wichtiger, als für Agrar­rechtler. Dafür stören sich aber auch nur ein Drittel der umwelt­rechtlich orien­tierten Kanzleien an nur ausrei­chenden Examina, wohin­gegen diese für 84 Prozent der Verwal­tungs­rechts­kanz­leien das „Aus“ der Bewerbung bedeuten, sofern die Bewerber diese nicht durch andere Quali­fi­ka­tionen ausgleichen können.

Der von den Großkanz­leien so gern gesehene LL.M. ist für die kleinen und mittel­stän­di­schen Kanzleien jedoch keine Alter­native.Wenn überhaupt, wird Ausland­ser­fahrung als Blick über den Tellerrand verstanden, ein auslän­di­scher Abschluss ist nicht erfor­derlich. Sprach­kennt­nisse sind für 44 Prozent der Kanzleien wichtig, neben Englisch sind skandi­na­vische Sprachen oder auch einmal regionale Dialekte inter­essant. Für die Hälfte der im Agrar­recht befragten Kanzleien ist der noch junge Fachanwalt im Agrar­recht eine gern gesehene Quali­fi­kation. „Die Mandanten im Agrar­recht erkennen die Kompetenz der Anwältin und des Anwalts voll an, wenn er die nötigen Quali­fi­ka­tionen mitbringt und vertrauen Ihnen. Das macht die Zusam­men­arbeit sehr angenehm“, sagt Rechts­an­wältin Mechtild Düsing, Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft Agrarecht des Deutschen Anwalt­vereins. Einen Fachanwalt für Umwelt­recht gibt es noch nicht. Daher finden dort 70 Prozent der Kanzleien einschlägige Stationen im Referen­dariat wichtig oder sehr wichtig und schauen auch auf die Wahlfächer aus dem Studium. Verwal­tungs-, Umwelt- und Agrar­recht sind also Rechts­ge­biete, bei denen auch der klassische Weg ans Ziel führt.

Kanzleien inves­tieren in inter­es­sierten Nachwuchs. Im Schnitt suchen 60 Prozent der befragten Kanzleien Verstärkung für das Jahr 2016 (egal in welchem Rechts­gebiet). Auffällig: Besonders im Agrar­recht wird hände­ringend nach anwalt­lichem Nachwuchs gesucht. Nachdem hier in den vergan­genen zwei Jahren so gut wie nicht einge­stellt wurde, wünscht sich gut die Hälfte der Kanzleien junge Agrar­rechtler für ihre Kanzlei. Im Umwelt­recht haben Berufs­ein­steiger besonders gute Chancen, nur 17 Prozent der Kanzleien finden Berufs­er­fahrung wichtig und die überwie­gende Mehrheit hält Umwelt­recht für ein gutes Einstiegs­gebiet. Auch das Verwal­tungs­recht bietet sich gerade für Berufs­an­fänger an und viele Kanzleien planen eine Vergrö­ßerung in diesem Bereich. „Die Materie kann von Berufs­ein­steigern gut erfasst werden, da das Studium meist eine solide Grundlage bildet“, sagt ein Anwalt einer westdeut­schen mittel­stän­di­schen Kanzlei.

Ein Einstieg im Agrar­recht ist hingegen schwie­riger: Zwar ist bei den Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens noch  die notwenige Bandbreite an juris­ti­schen Wissen präsent, die Detail­fragen des Agrar­rechts kommen in der Ausbildung aber oft zu kurz oder gar nicht vor. Daher bieten manche Kanzleien die Möglichkeit, die prakti­schen Kennt­nisse während der Arbeitszeit zu sammeln: „Wir kennen viele Betriebs­in­haber und bieten unseren Berufs­ein­steigern neben der recht­lichen Aus- und Weiter­bildung die Möglichkeit, in den Betrieben die tägliche Praxis und Zusam­men­hänge zu erfassen“, sagt Rechts­anwalt Dr. Falk-Rembert von Eickstedt aus Verden. Unabhängig vom Tätig­keitsfeld haben sich vier von fünf Kanzleien innerhalb der letzten fünf Jahre vergrößert. Dabei wollen 90 Prozent der befragten Kanzleien ihre Mitar­beiter langfristig binden und suchen nach zukünf­tigen Partnern. Der Weg in die Partner­schaft dauert im Verwal­tungs- und Umwelt­recht durch­schnittlich etwa drei bis fünf Jahre, im Agrar­recht etwas länger. Um auf die Bedürf­nisse der jungen Bewerber einzu­gehen, bieten zwei Drittel der Kanzleien im Umwelt­recht schon feste Teilzeit­mo­delle für Partner an, im Agrar und Verwal­tungs­recht werden indivi­duelle Lösungen für den Einzelfall gesucht. Die Kanzleien wissen, dass die Rechts­ge­biete auch vom Interesse der jungen Bewerber leben. So haben junge Anwäl­tinnen und Anwälte, die bei fachlicher Spezia­li­sierung flexibel auf aktuelle Entwick­lungen im jewei­ligen Rechts­gebiet reagieren können, derzeit gute Chancen auf dem Anwalts­markt. 

Nachge­fragt: Umwelt­recht für Berufs­an­fänger bei Menold Bezler

Im Gespräch mit Rechts­an­wältin, Dipl.-Verwal­tungs­wirtin (FH) Verena Rösner, Stuttgart

Menold Bezler gehört zu den Top 30 Kanzleien in Deutschland. Durch regel­mäßige Neuein­stel­lungen bietet die Kanzlei jungen Anwäl­tinnen und Anwälten Chancen für den Berufs­ein­stieg in einer mittel­stän­di­schen Kanzlei. Anwalts­blatt Karriere befragte Rechts­an­wältin Verena Rösner, Partnerin mit Schwer­punkt im Bereich Umwelt- und Planungs­recht, zu den Perspek­tiven für inter­es­sierte Juris­tinnen und Juristen in diesem Bereich. Menold Bezler konkur­riert auf dem Markt um die besten Bewerber sowohl mit den Großkanz­leien als auch mit anderen mittel­stän­di­schen Kanzleien. Um quali­fi­zierte Berufs­an­fänger für sich zu gewinnen, lockt im Umwelt- und Planungs­recht ein Einstiegs­gehalt von 65.000 bis 75.000 Euro plus Bonus. Bei der Auswahl ihrer Anwäl­tinnen und Anwälte setzt die Kanzlei vor allem auf die Persön­lichkeit. Natürlich spielen auch die Examens­er­geb­nisse eine Rolle, wobei in der Regel die Note vollbe­frie­digend erwartet wird. Ein Doktor­titel oder LL.M. sind zwar kein Muss, wirken sich aber positiv auf das Einstel­lungs­gehalt aus. Unabdingbar sind hingegen Teamfä­higkeit, Aufge­schlos­senheit und die Bereit­schaft, sich in ein großes Team mit anspruchs­vollen Mandaten einzu­bringen. Bei ihren Mitar­beitern ist die Kanzlei immer auf der Suche nach zukünf­tigen Partnern, es gibt aber auch alter­native Karrie­rewege. Rechts­an­wältin Rösner sieht im Umwelt- und Planungs­recht gute Entwick­lungs­mög­lich­keiten für Berufs­an­fänger, vor allem wenn die jungen Anwäl­tinnen und Anwälte während ihrer juris­ti­schen Ausbildung diesen Bereich schon vertieft haben. Das Erstellen von anspruchs­vollen Gutachten, beispiels­weise zum Arten­schutz, die Zusam­men­arbeit mit externen Beratern und die komplexe Bearbeitung großer Projekte im Team machen die Tätigkeit im Umwelt- und Planungs­recht bei Menold Bezler besonders reizvoll.

Text: Nora Zunker, Deutscher Anwaltverein, Berlin

Der 16. Gehälter- und Einstellungsreport von Anwaltsblatt Karriere schaut nach fünf Jahren wieder auf das Erbrecht, Steuerrecht und das Sozialrecht. Was erwarten Anwaltskanzleien? Was bieten sie jungen Anwältinnen und Anwälten?

„Weißt du noch, der Lieblingsfall von unserem Professor?“ Außergewöhnliche Beispiele bleiben den meisten Studierenden über Jahre im Gedächtnis.Während des Studiums entdecktman schnell seine Vorlieben für bestimmte Rechtsgebiete und ebenso schnell auch die Rechtsmaterien, die einen etwas weniger reizen. Manch einer überblickt die steuerlichen Vorteile der verschiedenen Gesellschaftsformen auf Anhieb, ein anderer hofft, die Höhe der Erbteile nach der Klausur nie wieder bestimmen zu müssen. Aber nicht nur das rechtliche Interesse ist entscheidend für die zukünftige Spezialisierung, sondern auch die Persönlichkeit. Selbst wer Freude daran hat, alle möglichen Ausnahmen im Sozialrecht zu prüfen, möchte vielleicht später trotzdem nicht jeden Tag hautnahmit persönlichen Schicksalen konfrontiert sein. Ebenso ist bei der Wahl des Rechtsgebiets und des Arbeitsplatzes abzuwägen, obman lieber imTeamarbeitet oder als Einzelkämpfer, obman nach demlangen Studiumbereit ist, noch weitere Qualifikationen zu erwerben, und wie wichtig ein hohes Einstiegsgehalt ist. Nur so kannman am Ende sowohl über die Arbeit als auch über den Arbeitsplatz sagen: „Das ist genau mein Fall.“

Die Kanzleien haben ebenfalls konkrete Vorstellungen, was ein Bewerber mitbringen sollte, um in die Kanzlei zu passen. Fremdsprachenkenntnisse werden kanzlei- und rechtsgebietsübergreifend vorausgesetzt, zwei Prädikatsexamen sowie LL.M. (und auch noch die Promotion) sind für die meisten Großkanzleien wünschenswert. Je nachdem sind hier Einstiegsgehälter von 70.000 bis 100.000 Euro für qualifizierte Bewerber zu erreichen. Aber auch in den kleinen und mittelständischen Kanzleien sind Spitzengehälter von bis zu 75.000 Euro möglich, wenn die jungen Anwältinnen und Anwälte durch Einsatzbereitschaft und eine gewisse Vorbildung im gesuchten Rechtsgebiet überzeugen können.

Anwaltspersönlichkeit: Mehr als die Summe von Qualifikationen

Der Anteil von Studierenden, „die Steuerrechtsanwalt“ als Traumberuf angeben, ist deutlich geringer als in manch anderem Rechtsgebiet. Auch Erb- oder Sozialrecht zählen nicht unbedingt zu den Arbeitsfeldern, die von jungen Juristen als besonders „schick“ oder lukrativ empfunden werden. Gerade deshalb ist es den Kanzleien besonders sonders wichtig, dass sich die Bewerber schon während der Ausbildung ein genaueres Bild gemacht haben. Was im Studium noch ein nebensächlicher Blick auf eine Bilanz ist, kann im Alltag für den Mandanten beträchtliche Summen bedeuten. Denn hier zahlt sich die Kenntnis der Rechtslage im wahrsten Sinne aus.

Bei Sozialrechtsfällen denken viele zunächst an Hartz IV-Mandate, die sich in der Praxis in der Tat kaum rentieren. Doch das macht nur einen Teil der Arbeit im Sozialrecht aus. Wesentlich lukrativer ist beispielsweise der Tätigkeitsschwerpunkt Rentenversicherung, der sich durch die Zusammenarbeit mit Medizinrechtlern ausbauen lässt. Es ist also kaum verwunderlich, dass die kleinen und mittelständischen Kanzleien „Bereitschaft zur Spezialisierung undWeiterentwicklung“ allen formalen Kriterien voran stellen. Für die Großkanzleien sind vollbefriedigende Examina ein Muss, für die Hälfte der kleinen und mittelständischen Kanzleien im Erbrecht bleiben sie entscheidend, im Sozialrecht schauen gerade einmal 14 Prozent darauf. Ebenso ist der in den Großkanzleien als Fremdsprachennachweis an Bedeutung gewinnende LL.M. nur für knapp 10 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien interessant. Weitaus wichtiger sind den Kanzleien Sprachkenntnisse, einschlägige Referendariatsstationen oder ein bereits abgeschlossener Fachanwaltslehrgang. Dieser bringt Bewerbern besonders im Sozialrecht Vorteile, Fachanwälte werden hier händeringend gesucht. Berufserfahrung ist im Erbrecht bei der Bewerbung nicht notwendig, im Steuerrecht bevorzugen die Kanzleien hingegen Kandidaten, die sich schon etwas mit dem Anwaltsberuf vertraut gemacht haben. Aber auch hier ist die „Neugier auf Neues“ wichtiger als das bisher Erlernte. Die Kanzleien wünschen sich einen mathematischen Faible, wirtschaftlichen Sachverstand und den nötigen Biss. Im Erbrecht ist es ähnlich. „Der perfekte Bewerber ist kreativ, einsatz und leistungsbereit, sowie offen für den Austausch unter Kollegen“. Empathie und souveränes Auftreten sind im Umgang mit Mandanten in schwierigen Situationen ebenfalls wichtig, das gilt auch für das Sozialrecht. Hier brauchen Anwältinnen und Anwälte außerdem ein „dickes Fell“, da man die Fälle oft als Einzelkämpfer angehen muss. Selbst ein nur ausreichendes Examen wäre dann kein Hinderungsgrund, gerade einmal 10 Prozent der Bewerbungen im Sozialrecht würden hierdurch ein Ende finden, im Erbrecht wären es immerhin 44 Prozent.

Wir entscheiden von Fall zu Fall

Die Chancen auf eine Einstellung hängen allerdings auch davon ab, ob auf dem Arbeitsmarkt derzeit überhaupt Bedarf an Verstärkung besteht. Vor fünf Jahren (kurz nach der Finanzkrise) stellten nur fünf bis zehn Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien in diesen Bereichen ein, lediglich die Großkanzleien waren auf der Suche nach Nachwuchs. Heute sind die Aussichten für die jungen Anwältinnen und Anwälte besser: 41 Prozent der im Erbrecht tätigen Kanzleien suchen für das kommende Jahr Verstärkung, die Hälfte dieser Einstellungen sollen im Erbrecht selbst erfolgen. Für das Steuerrecht sucht sogar jede dritte Kanzlei einen neuen Mitarbeiter. Bedarf an Sozialrechtlern besteht bei gut 17 Prozent der Kanzleien. Zwar ist die Partnerschaft bei den meisten Kanzleien nach drei bis fünf Jahrenmöglich, allerdings ist im Sozialrecht nur jede dritte Kanzlei an zukünftigen Partnern interessiert. Anders im Erb- und Steuerrecht: Hier liegt der Anteil bei 70 bis 80 Prozent. Umso wichtiger ist es also, dass der junge Anwalt oder die junge Anwältin gut in die Kanzlei passt, sich bei der Bewerbung sympathisch und interessiert zeigt. Denn besonders in einem kleinen beständigen Team ist es wichtig, dass die Chemie stimmt. „Humor wäre schön“, merkt eine Anwältin einer erbrechtlich orientierten Kanzlei an, „das erhöht die Chancen auf jeden Fall.“

Text: Nora Zunker, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Was kommt nach dem zweiten Staatsexamen? Diese Frage stellt sich vielen angehenden Volljuristen. So viele Absolventen es gibt, so viele verschiedene Zukunftspläne kann es geben – und die Möglichkeiten werden vielfältiger, gerade wenn man sich schon für den Anwaltsberuf entschieden hat. Im fünfzehnten Gehälter-und Einstellungsreport teilten Unternehmen und Kanzleien Anwaltsblatt Karriere nicht nur mit, welche Möglichkeiten sie jungen Berufsanfängern bieten, sondern auch, welche Qualifikationen sie sich von Bewerbern wünschen.

Berufs­an­fänger sollten sich aber nicht nur darüber klar werden, was sie nach dem zweiten Examen machen wollen, sondern sie sollten sich auch die Frage stellen: Wo sehe ich mich in ein paar Jahren? Denn die Entscheidung für ein Rechts­gebiet und einen Arbeit­geber wird den Start ins Anwalts­leben indivi­duell prägen. Wie wichtig ist ein hohes Einstiegs­gehalt? Bin ich örtlich und zeitlich flexibel? Ist es mir wichtig, dass Teilzeit­mo­delle vorge­sehen sind? Bin ich ein Einzel­kämpfer oder möchte ich im Team arbeiten? Will ich schnellst­möglich unter­neh­me­ri­scher Partner einer Kanzlei werden?

Wer viel zu bieten hat, bekommt auch viel geboten

Nach wie vor gilt auf dem Anwalts­markt: Wer als Bewerber viel kann, der kann auch viel erreichen. Die Großkanz­leien erwarten von jungen Anwäl­tinnen und Anwälten nach wie vor Prädi­katsexamen. Wenn ein Kandidat dann noch sehr gute englische Sprach­kennt­nisse – bevorzugt bei einem Auslands­auf­enthalt erworben und durch einen LL.M. bescheinigt – vorweisen kann, wird ihm im Gegenzug auch viel geboten: Die Einstiegs­ge­hälter der Großkanz­leien drehen sich um die magische Grenze von 100.000 Euro. Im Wettbewerb um die besten Absol­venten wird auch jenseits der Großkanz­leien mit reizvollen Gehältern gelockt: Als Syndi­kus­anwalt kann ein Berufs­ein­steiger Spitzen­ge­hälter von 80.000 Euro verdienen, als IT-Rechts­anwalt einer kleinen oder mittel­stän­di­schen Kanzlei sind 60.000 Euro erreichbar. Im IT-Recht werden sprach­liche Fähig­keiten, Branchen­kenntnis und unter­neh­me­ri­sches Denken von jungen Anwäl­tinnen und Anwälten erwartet, ebenso wie der Wille, mehr zu tun als unbedingt nötig. „Ein durch­schnitt­licher Lebenslauf wäre ein K.O.-Kriterium“, heißt es da schon einmal. Im Bereich des IT-Rechts sollten Hobbies und Inter­essen die Spezia­li­sierung auf dieses Rechts­gebiet belegen können. Syndi­kus­an­wälte sollten durch Praktika und Referen­da­ri­ats­sta­tionen schon einmal mit der Arbeit in einem Unter­nehmen in Berührung gekommen sein. Die Anfor­de­rungen sind also hoch, aller­dings bietet sich auch die Chance, schon im Studium und im Referen­dariat gesam­melte Lebens­er­fahrung bei der Arbeits­platz­suche nutzbar zu machen. Denn bei allen fachlichen Anfor­de­rungen gilt in vielen Kanzleien und Unter­nehmen inzwi­schen: Der Bewerber muss „mit seiner Persön­lichkeit als Ganzes“ überzeugen.

Und was können Sie außerdem?

Sowohl bei den Syndi­kus­an­wälten als auch im Bereich IT-Recht wird zunehmend nach spezia­li­sierten Bewerbern gesucht. Daher wählen die Kanzleien und Unter­nehmen nach breit gefächerten Kriterien aus, um den passenden Kandi­daten zu finden. Welcher Schwer­punkt wurde im Studium gewählt? Ist dieWahl der Stationen mit Bedacht erfolgt? Zeigt die Ausbildung schon eine Spezia­li­sierung? Mit welcher Geschwin­digkeit wurde das Studium absol­viert? Auch wenn die Examens­noten (vor allem der staat­liche Teil im ersten Examen) nur ein Indikator von vielen für das juris­tische Können sind, sind sie keineswegs unwichtig geworden. Besonders in den Großkanz­leien wird auf die Punkte geschaut. Aber auch für gut die Hälfte der befragten Unter­nehmen sowie der kleinen und mittel­stän­di­schen Kanzleien ist zumindest ein Prädi­katsexamen „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“; zwei Prädi­katsexamen erwartet nur etwa ein Viertel. Aber auch mit nur einem Prädi­katsexamen hat eine Bewerbung in einer Großkanzlei gute Chancen, wenn ein Doktor­titel oder LL.M. vorge­wiesen werden kann, diese werden in den Großkanz­leien meist genauso begrüßt wie ein zweites Prädi­katsexamen. In den kleineren Kanzleien oder bei Syndi­kus­an­wälten stehen die Titel jedoch weniger hoch im Kurs, auch im Vergleich zu der Umfrage vor fünf Jahren. Auch wenn ein Doktor­titel noch in 20 Prozent der IT-Rechts­kanz­leien und Unter­nehmen ein höheres Einstiegs­gehalt bringt, wird er inzwi­schen seltener als „wichtig“ einge­stuft als ein LL.M. Gerade im Bereich IT-Recht und bei Syndi­kus­an­wälten wird nicht nach „Theo­re­tikern“ gesucht. Ein angehender IT-Rechtler kann mit techni­schem Verständnis oder Branchen­kenntnis eher punkten. Und bei jungen Syndi­kus­an­wälte wird darauf geschaut, ob sie bei kompli­zierten juris­ti­schen Erwägungen Aufwand und Ertrag im Auge behalten – und ihre Ergeb­nisse auch Nicht- Juristen verständlich vermitteln können. Denn Probleme werden in Unter­nehmen meist inter­dis­zi­plinär gelöst. Teamfä­higkeit ist also unerlässlich. Die Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­higkeit der Absol­venten testen Arbeit­geber schon beim Bewer­bungs­ge­spräch. Hier haben kleine und mittel­stän­dische Kanzleien sowie Unter­nehmen klare Vorstel­lungen: Der Bewerber sollte nicht zu schüchtern sein, aber auch nicht zu selbst­sicher oder arrogant, er muss sich präsen­tieren können und der Lebenslauf sollte das wider­spiegeln, was der Bewerber von sich erzählt. „Um zu wissen, ob wir einen Selbst­dar­steller vor uns haben, schauen wir uns auch gern die Eigen­prä­sen­tation der Bewerber auf Facebook an“, sagt ein IT-Rechts­anwalt einer mittel­stän­di­schen Kanzlei. Von Interesse ist aber nicht nur, wo sich der Bewerber im Netz aufhält, auch Auslands­auf­ent­halte vor, nach oder während des Studiums sind inter­essant. Etwa die Hälfte der befragten Kanzleien und Unter­nehmen hält diese für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Das passt zu einer fundierten Fremd­spra­chen­kenntniss „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Im Bereich IT-Recht haben „Sprach­kennt­nisse“ sogar weitere Bedeu­tungen: Es wird gern gesehen, wenn der Bewerber zumindest eine Program­mier­sprache beherrscht und aufgrund von Branchen­kennt­nissen bereits den IT-Sprech kennt, weil ein Neuein­steiger sonst „von der Fachter­mi­no­logie erschlagen werden“ könnte, wie eine IT-Anwältin formu­liert. Junge Anwäl­tinnen und Anwälte sollen also je nach angestrebter Stelle eine ganze Reihe von weiteren Fähig­keiten und Quali­fi­ka­tionen mitbringen. Doch sind die Möglich­keiten, die die Unter­nehmen und Kanzleien den Berufs­an­fängern bieten, ebenso vielfältig?

Wir brauchen Sie so, wie Sie sind.

„Das IT-Recht ist für Berufseinsteiger besonders reizvoll, weil man sich hier auch als junger Anwalt schnell einen Namen machen kann“, sagt ein Partner einer norddeutschen IT-Rechtskanzlei. Obwohl Berufserfahrung auch in der IT-Branche ein Plus ist, stellen viele Kanzleien gern direkt nach den Examina ein. Der Grund: Das IT-Recht ist ein dynamisches Rechtsgebiet, mit vielen aktuellen Entwicklungen, wobei sich viele Innovationen beim jungen Publikum abspielen. Daher ist es für viele Kanzleien wichtig, dass ihre Anwälte den Kontakt zur Jugend nicht verlieren. Neben den Themen Soziale Medien, Apps und Datenschutz spielen in der Branche derzeit Mandate im Bereich Outsourcing und Cloud-Computing sowie im. Zusammenhang mit der Internationalisierung eine große Rolle. Die gute Mandatslage bringt Chancen für den Nachwuchs. Während in der Krise 2009 nur 17 Prozent der befragten IT-Kanzleien Neueinstellungen planten, haben sich seitdem etwa zwei Drittel der befragten kleinen und mittelständischen Kanzleien vergrößert und suchen aktuell 43 Prozent nach Verstärkung, davon soll mehr als die Hälfte der Stellen im Bereich Informationstechnologie besetzt werden. Die Kanzleien sind zudem an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert: 80 Prozent der befragten Kanzleien sind auf der Suche nach zukünftigen Partnern. Im Schnitt erfolgt der Schritt in die Partnerschaft hier nach vier bis sechs Jahren. Auch die Großkanzleien sind nach wie vor an Nachwuchs interessiert. Ebenso die Unternehmen: Mehr als die Hälfte der befragten Rechtsabteilungen hat in den vergangenen beiden Jahren eingestellt und für das kommende Jahr planen 28 Prozent eine Einstellung. Dass die individuelle Lebensplanung mehr umfasst, als nur den Anwaltsberuf, ist den Arbeitgebern heute klar. Daher bieten 74 Prozent der befragten Unternehmen und sogar 82 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien Teilzeitmodelle an. Denn gerade in Konkurrenz mit den Großkanzleien wollen sie ihre so sorgfältig ausgewählten Bewerber auch langfristig halten. Unternehmen und Kanzleien suchen nicht ordentliche Volljuristen, sondern Absolventen mit Kreativität und Persönlichkeiten, die zur Anwältin oder zum Anwalt reifen können. Wer mit Engagement und Eigeninitiative seine eigenen Stärken und Interessen im Blick behält, hat gerade jetzt die Chancen, sich genau den Arbeitsplatz zu angeln, der zu einem passt. „Präsentieren Sie sich so, wie Sie sind“, rät ein erfahrener Anwalt im IT-Recht. Und: „Bitte keine Schmalspurausbildung.“ //

Text: Nora Zunker, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Wo will ich hin? Mit dieser Frage beginnt für viele Kandidaten im zweiten Examen die Suche nach einer Kanzlei für den Berufseinstieg. Welche Rechtsgebiete reizen mich? Möchte ich in eine Kanzlei in meiner Nähe? Welche Gehaltsvorstellungen habe ich? Möchte ich in einer überschaubaren Kanzlei arbeiten oder zieht es mich in eine Großkanzlei? Es gibt viele Aspekte, die junge Anwältinnen und Anwälte vor ihrer Bewerbung in Betracht ziehen sollten – und das am besten so früh wie möglich. Denn vor allem die Großkanzleien, aber auch viele kleine und mittelständische Kanzleien haben inzwischen eine konkrete Antwort auf die Frage: „Wen wollen wir?“

Wer in einer Großkanzlei mit einem hohen Einstiegsgehalt anfangen möchte, muss auch erhöhten Ansprüchen gerecht werden: Von Vorteil ist es, das verhandlungssichere Englisch durch einen LL.M. belegen zu können, ebenso sollte sich das juristische Können in Prädikatsexamina widerspiegeln. Spitzengehälter von bis zu 100.000 Euro können aber auch in mittelständischen Kanzleien im Bank- und Kapitalmarktrecht erreicht werden. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier eine frühere Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau. Sprachliches Geschick wird im Strafrecht ebenfalls gefordert, jedoch hat hier der LL.M. keine Auswirkungen auf das Gehalt, vielmehr entscheiden der sichere Umgang mit Menschen und eine frühzeitige Spezialisierung auf das Strafrecht schon im Studium über den Ausgang der Bewerbung. In den regionalen Topkanzleien hingegen zählt der lokale Bezug gelegentlichmehr als die formalen Kriterien. Es lohnt sich also für junge Anwältinnen und Anwälte, den Wandel auf dem Anwaltsmarkt zu verfolgen. Denn in einem sind sich viele Partner einig: „Die Bewerber müssen in die Welt unserer Mandanten passen – aber auch zu unserer Kanzlei.“
Man ist mehr als nur Jurist.


Von jungen Anwältinnen und Anwälten wird Vielseitigkeit erwartet: Schon lange sind zwei Prädikatsexamen nicht mehr das non plus ultra auf dem Anwaltsmarkt. Sie sind zwar für die Großkanzleien wünschenswert und auch für knapp die Hälfte der befragten kleinen und mittelständischen Kanzleien im Bank- und Kapitalmarktrecht „sehr wichtig“ oder „wichtig“ – bei den befragten regionalen Topkanzleien sind es jedoch bloß noch 40 Prozent und im Strafrecht etwa 30 Prozent. Für diese Tendenz gibt es zwei Gründe: Zum einen haben Bewerber mit Prädikatsabschluss oft schon fixe Gehaltsvorstellungen. „So einen würden wir schon nehmen, aber den können wir uns nicht leisten. Daher bewerben sich diese Kandidaten dann meist gleich bei den Großkanzleien“, sagt ein Anwalt aus einer norddeutschen Kleinstadt. Zum anderen haben die Kanzleien gelernt, dass die Examensnoten – oft als Beleg für eine schnelle Auffassungsgabe verstanden – nicht der einzige Eignungsnachweis für den Anwaltsberuf sind. Junge Kollegen im Strafrecht müssen vor allem „Sensibilität im Umgang mit Mandanten“ und „menschliches Gespür“ mitbringen. Um den richtigen Ton anzuschlagen, sind Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich und daher auch für 70 Prozent der Kanzleien „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Im Strafrecht geht es für den Mandanten häufig nicht um Geld oder Prozesserfolge, sondern handfest umdie Abwendung von Freiheitsstrafen. Daher erwarten die Kanzleien, dass die jungen Anwältinnen und die jungen Anwälte „mit Leib und Seele im Strafrecht aufgehen“. Als Nachweis wünschen sich – genau wie schon vor fünf Jahren – mehr als die Hälfte der Kanzleien einschlägige Stationen im Referendariat, ein Drittel legt Wert auf einen bereits absolvierten Fachanwaltslehrgang oder Berufserfahrung. Auch Teamfähigkeit wird großgeschrieben: „Wenn es nicht passt, kann jemand meinetwegen auch einen doppelten LL.M. haben.“ Ein englischer Abschluss ist neben den internationalen Großkanzleien noch im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht von Interesse. Immerhin 16 Prozent der befragten Kanzleien finden den LL.M. wichtig. Generell fragen knapp 30 Prozent nach Auslandserfahrungen und rund 44 Prozent erwarten gute Fremdsprachenkenntnisse. Auch im Bank- und Kapitalmarktrecht können Bewerber bei 32 Prozent der befragten Kanzleien mit Berufserfahrung oder der früheren Spezialisierung im Referendariat punkten. Jedoch spielt heute noch eine weitere Qualifikation eine weitaus größere Rolle: eine Lehre im Bankwesen. Die Bankenkrise schlägt sich im Bank- und Kapitalmarktrecht spürbar nieder. „Wer die aktuellen wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht versteht, kann dies durch rein rechtliche Kenntnisse nicht mehr ausgleichen“, fasst ein Seniorpartner die Lage zusammen. Daher sind auch mehr Kanzleien bereit ein höheres Einstiegsgehalt für einen Bewerber mit bankkaufmännischer Ausbildung zu zahlen als für einen mit Doktortitel. Bei den regionalen Topkanzleien steht die Persönlichkeit des Bewerbers im Vordergrund. „Selbstständigkeit, Kommunikationsfähigkeit und eine individuelle Persönlichkeit“ liegen bei den Kanzleien hoch im Kurs. Daneben legen je knapp 45 Prozent der befragten Kanzleien Wert auf Fremdsprachenkenntnisse und Fachanwaltstitel, 36 Prozent schauen sich die Wahl der Referendariatsstationen genauer an. Was hier neben der juristischen Ausbildung außerdem von Interesse ist, ist der Bezug des Bewerbers zur Kanzlei und zur Region. „Der Bewerber sollte umgänglich sein, ein sympathischer Charakter eben“, sagt ein Partner einer mittelständischen Kanzlei im Süden.

Gute Kommunikationsfähigkeit und Umgangsformen sind nicht nur für die Arbeit im Team relevant, sondern auch für das Wachstum der Kanzlei. Bei überwiegend regional tätigen Kanzleien erfolgt ein großer Teil der Mandatsakquise über Mundpropaganda. Für zwei Drittel der regionalen Topkanzleien ist es für die Zusammenarbeit ebenfalls relevant, ob die junge Kollegin oder der junge Kollege auch plant, am Ort längerfristig zu leben.

Die vierzehnte Umfrage: 200 Kanzleien

Der Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei mittel­stän­di­schen Kanzleien und Großkanz­leien sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden mehr als 200 mittel­stän­dische und 25 Großkanz­leien (im Bank- und Kapital­markt­recht) befragt. Die Resonanz war bei der Umfrage zum Winter­se­mester 2013/2014 sehr gut, besonders die regio­nalen Topkanz­leien erteilten bereit­willig Auskunft. Im Bank- und Kapital­markt tätige Kanzleien sprachen offen und detail­liert über die Einstel­lungs­vor­aus­set­zungen; Partner im Straf­recht machten kein Geheimnis um die Einstiegs­ge­hälter. Denn der Trend zu Trans­parenz auf dem Markt hat sich für Kanzleien und Bewerber gleicher­maßen als gewinn­bringend erwiesen. Gleiches gilt für die inter­na­tio­nalen Sozie­täten und Großkanz­leien, die sich wie immer offen zeigten. Die Großkanz­leien erhielten einen Frage­bogen. Mit mittel­stän­di­schen Kanzleien wurden fünfzehn­mi­nütige Telefon­in­ter­views geführt. Gesprächs­partner waren Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälte, die über einen örtlichen Anwalt­verein Mitglieder im Deutschen Anwalt­verein sind sowie Mitglied einer Arbeits­ge­mein­schaft des DAV (bei diesem Report für Straf­recht sowie Bank- und Kapital­markt­recht) oder in einer regio­nalen Topkanzlei tätig sind. Es wurden nur Anwälte befragt, die nachhaltig im jewei­ligen Rechts­gebiet bezie­hungs­weise in der jewei­ligen Region tätig sind. Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden wieder durch Recherchen der Redaktion bei Anwäl­tinnen und Anwälten überprüft, die in örtlichen Anwalt­ver­einen, in den Landes­ver­bänden, den Arbeits­ge­mein­schaften oder im Vorstand des Deutschen Anwalt­vereins ehren­amtlich aktiv sind.

Text: Nora Zunker, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Mitarbeit: Lisa Gut, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Es beginnt mit der Frage, wo ein neues Gebäude errichtet werden darf und ist mit einem Streit über die Betriebskostenabrechnung des letzten Mieters noch längst nicht am Ende: Das Immobilienrecht bietet eine ganze Bandbreite an rechtlichen Fragen – und an Kanzleien, die nach junger anwaltlicher Unterstützung suchen, um diese zu beantworten. Was für einen Berufseinsteiger dabei herausspringt, richtet sich ganz danach, für wen er arbeitet. Für welchen Mandantenkreis? Oder in welcher Kanzlei? Mehr als 100.000 Euro als Associate für den immobilienrechtlichen Bereich in einer Großkanzlei sind ebenso möglich wie 35.000 Euro für mietrechtliche Beratung in Düsseldorf – oder 70.000 Euro bei vergaberechtlicher Spezialisierung auf die öffentliche Hand in einem 9-Personenteam in einer norddeutschen Kleinstadt.

Doch welche Voraussetzungen verschaffen dem Bewerber den Zuschlag für die gewünschte Stelle? Sie sind heute so verschieden wie die späteren Tätigkeitsgebiete selbst. Für die jungen Anwälte heißt das konkret: Die Entscheidung für die spätere Spezialisierung sollte so früh wie möglich fallen, ein bloßes Interesse am Immobilienrecht reicht jedenfalls nicht aus.
   Die Faktoren für eine erfolgreiche Bewerbung werden von Umfrage zu Umfrage vielfältiger. Bewerber müssen sympathisch sein, ein gepflegtes Äußeres haben, sich gut verkaufen können – sind die formalen Kriterien unwichtig geworden? Nein, im Gegenteil: In fast allen Großkanzleien sind zwei Prädikatsexamen Voraussetzung und Promotion oder LL.M. zumindest wünschenswert. Doch auch 50 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien im Bau- und Vergaberecht halten zwei mindestens vollbefriedigende Examina für wichtig oder sehr wichtig. Persönlichkeit, soziale Kompetenz und Einsatzbereitschaft sind also nicht alternativ, sondern sollten vom Bewerber zusätzlich zu sicheren juristischen Kenntnissen vorgewiesen werden können.Wenn der motivierte Bewerber sich dann noch als teamfähig erweist und zu den Mandanten passt, steht einem erfolgreichen Berufseinstieg nichts mehr im Wege. Denn: „Wenn die Fähigkeiten da sind und vor allem dasWollen, dann ist alles machbar“, so denken viele Anwälte.

Intelligenz ist wieder sexy

„Gute Noten im Abitur und Examen zeigen, dass der Bewerber intelligent ist und sich einsetzt“, heißt es aus einer mittelständischen Berliner Kanzlei, welche zu den über 80 Prozent im Vergaberecht gehört, denen zumindest ein Prädikatsexamen wichtig, wenn nicht sogar sehr wichtig ist. So wichtig, dass die Hälfte der befragten Kanzleien im Vergaberecht hierfür und ebenso für einen Doktortitel auch ein höheres Einstiegsgehalt zahlen würden – und wohl auch müssen, um mit den Angeboten der Großkanzleien konkurrieren zu können. Der Begriff der Intelligenz bedeutet für diese Kanzleien aber mehr: Anwälte erwarten von den Bewerbern eine gute Allgemeinbildung, politisches Gespür, Verständnis für haushaltswirtschaftliche Zusammenhänge und eine unternehmerische Denkweise.
   Im Baurecht steht hingegen für 44 Prozent der Kanzleien ein abgeschlossener Fachanwaltslehrgang – den es für das relativ junge Gebiet des Vergaberechts bisher nicht gibt – hoch im Kurs. Fehlt dieser, wird zumindest die Bereitschaft ihn zu absolvieren erwartet. Fast ebenso gern gesehen ist technisches Verständnis. Für den Umgang mit den Mandanten sind Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen erwünscht. Anders im Mietrecht: Hier ist Menschenkenntnis das A und O. Diese ist besonders für die Mandatsakquise erforderlich, denn das Mietrecht erreicht im Immobilienrecht das breiteste Spektrum an potentiellen Mandanten – und gerade Verbraucherkanzleien wollen über das Mietrecht auch Mandanten für andere Rechtsgebiete gewinnen. Dafür sind heutzutage sichere Deutschkenntnisse allein nicht mehr ausreichend: 77 Prozent der mietrechtlichen Kanzleien halten Fremdsprachenkenntnisse für wichtig. Im Bau- und Vergaberecht gilt dies für immerhin 64 Prozent.
   Damit haben Fremdsprachenkenntnisse im Immobilienrecht einen deutlich höheren Stellenwert als beispielsweise im Medizin- oder Familienrecht – und auch als noch vor fünf Jahren. Dass die sprachlichen Fähigkeiten durch einen Auslandsaufenthalt belegt werden, wünschen sich nur 17 Prozent der Kanzleien – und ein höheres Gehalt bringt dies höchstens noch im Vergaberecht. Auffällig: Gerade einmal 3 Prozent aller kleinen und mittelständischen Kanzleien finden einen LL.M. interessant – in den Großkanzleien ist der englische Titel hingegen ein wichtiger Nachweis für verhandlungssicheres Englisch und wird inzwischen als Qualifikation dem Doktortitel vorgezogen. Letzterer ist für die Hälfte der baurechtlichen und gut ein Drittel der restlichen immobilienrechtlichen mittelständischen Kanzleien wichtig und schlägt sich in 50 Prozent der Vergaberechtskanzleien auch auf das Gehalt nieder. Der Grund: Das Vergaberecht findet kaum Beachtung in der juristischen Ausbildung, so dass die vorherige Beschäftigung mit einem vergaberechtlichen Thema einen hohen Stellenwert hat. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hälfte der Kanzleien im Vergaberecht, aber auch im Baurecht,Wert auf einschlägige Referendariatsstationen legt – im Mietrecht sind es nur 20 Prozent. Im Immobilienrecht führten die Kanzleien öfter als in den meisten anderen Rechtsgebieten an, dass sie vor allem daran interessiert seien, ehemalige Referendare zu übernehmen. Wer also nicht an einer Stelle in einer der internationalen Topkanzleien sondern an einer kleinen oder mittelständischen Sozietät interessiert ist, sollte langfristig planen und die Referendariatsstation sorgfältig auswählen. Denn nicht der Schein eines auffälligen Lebenslaufes ist hier von Bedeutung, sondern das Sein – das am Immobilienrecht ernsthaft interessiert Sein.

Bitte, bleiben Sie doch!

Auch wenn die Anforderungen an junge Anwälte im Immobilienbereich hoch sind, sollten sich Bewerber keinesfalls entmutigen lassen. Zwar ist die Hälfte der vergaberechtlichen Kanzleien an Kandidaten mit nur ausreichenden Examen nicht interessiert, jedoch haben auf der anderen Seite 80 Prozent der Mietrechtler kein Problem damit. Eine Bewerbung kann sich lohnen: Die kleinen und mittelständischen Kanzleien im Immobilienrecht suchen Verstärkung. Für 2013 sind 64 Prozent der vergaberechtlichen Kanzleien, die Hälfte der baurechtlichen Kanzleien und ein Viertel der im Mietrecht tätigen an Nachwuchs interessiert. Hierbei ist jeweils gut die Hälfte der Neueinstellungen für Mitarbeiter im immobilienrechtlichen Bereich vorgesehen. Ein Stuttgarter Mietrechtsanwalt erläutert: „Bei 24 Millionen Mietwohnungen in Deutschland gibt es immer ordentlich Streitpotential.“ Das bietet gute Aussichten für Anwälte – denn in den vergangenen beiden Jahren stellten nur etwa 25 Prozent der Kanzleien ein.
   Und suchen die Kanzleien auch die langfristige Bindung in Form der Partnerschaft? „Natürlich!“ Mehr als 90 Prozent der Sozietäten im Bau- und Vergaberecht arbeiten auf eine Partnerschaft hin. Grund für die langfristige Planung: „Diese Rechtsgebiete sind krisensicher und die öffentliche Hand stellt einen zahlungsfähigen Mandanten dar.“ Im Baurecht erreichen junge Anwälte die Partnerschaft innerhalb von fünf bis acht Jahren, im Vergaberecht geht es etwas schneller. Im Mietrecht sind nur 72 Prozent der Kanzleien auf der Suche nach Partnern, allerdings ist dann die Partnerschaft in mehreren Kanzleien schon innerhalb von zwei Jahren möglich, da durch die „lebensnahen Sachverhalte“ zumeist eine schnelle Einarbeitung in die Problematiken erfolgt. „Als Universitätsabgänger braucht man im Vergaberecht jemanden, der einen begleitet. Man muss sich schnell Neues aneignen, das Rechtsgebiet ist ja noch im Fluss“, begründet eine Rechtsanwältin den Gegensatz.
   Und wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den kleinen und mittelständischen Kanzleien? Nur rund 21 Prozent der in Sozietäten tätigen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Baurecht sind Anwältinnen. Im Mietrecht sind es sogar nur halb so viele. Um Kolleginnen nicht vor die Wahl zwischen der Rolle als Mutter oder Anwältin zu stellen, führen derzeit viele Kanzleien auf dem Anwaltsmarkt Teilzeitmodelle auf Partnerebene ein. Besonders im Vergaberecht wird dieser Trend deutlich. Schon 61 Prozent der Kanzleien haben feste Teilzeitmodelle, weitere 11 Prozent würden diese gegebenenfalls für den Einzelfall einrichten. Im Baurecht sind bereits 57 Prozent der Kanzleien auf diesen Fall eingestellt, im Mietrecht sind es bisher erst ein Viertel der Kanzleien, weitere 22 Prozent könnten sich Teilzeitmodelle aber für die Zukunft vorstellen. Keine Frage: Die Kanzleien bewegen sich bei Teilzeitmodellen. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sie wirklich jungen Anwältinnen und jungen Anwälten eine Chance geben wollen – wenn sie denn die Bereitschaft haben, sich in ein komplexes, nicht nur juristisch geprägtes Rechtsgebiet einzuarbeiten. //

Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 1/2013

Text: Nora Zunker, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Mitarbeit: Lisa Gut, Deutscher Anwalt­verein, Berlin

Jenseits der Großkanzleien werden die Berufschancen neu verteilt. Noch vor fünf Jahren waren Prädikatsexamen und Doktortitel im Familienrecht, im Insolvenzrecht und im Medizinrecht sichere Karrierebeschleuniger. Heute bringen sie jungen Absolventinnen und Absolventen des zweiten Staatsexamens zwar noch in die Bewerberrunde, aber am Ende zählen Persönlichkeit und Auftreten. Und noch ein Trend: Geeigneter Anwaltsnachwuchs ist rar, zumal die internationalen Top-Sozietäten gute Leute wegfischen. Kleine und mittelständische Kanzleien sind daher durchaus bereit, sich ihren Wunschkandidaten etwas kosten zu lassen - wenn denn alles stimmt.

Gute Noten im Examen bleiben weiterhin der Schlüssel zum Einstieg in eine internationale Top-Sozietät oder Großkanzlei, auch LL.M. und Promotion werden begrüßt – und zumindest englische Fremdsprachen- kenntnisse sind unabdingbar. Dass ein qualifizierter Bewerber dort um die 100.000 Euro und mehr verdienen und verlangen kann, wissen mittlerweile nicht nur die jungen Anwälte, sondern auch kleinere und mittelgroße Kanzleien. „Einen mit Doppelprädikat können wir uns nicht leisten“, heißt es da schon mal aus der einen oder anderen mittelständischen Kanzlei. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die kleineren Kanzleien verstärkt auf die soziale Kompetenz und das Gesamtbild setzen: „Der junge Kollege muss mit der Praxis zurechtkommen“ und „auf die Mandanten losgelassen werden können“ – und natürlich zur Kanzlei und den Mandanten passen.

Engagement lohnt sich wieder: gute Chancen

Engagement ist das Stichwort auf dem Arbeitsmarkt. Darin sind sich die meisten Partner und Personal-Manager der befragten Kanzleien einig. Differenziert wird je nach Kanzleigröße, Region und fachlicher Ausrichtung der Kanzlei, woran sich ein Jurist erkennen lässt, der ein engagierter Anwalt (oder eine engagierte Anwältin) werden kann. Engagement im Studium zählt heute vor allem im Insolvenzrecht, drei Viertel der befragten Kanzleien ist ein Prädikatsexamen zumindest wichtig (vor fünf Jahren waren es noch 55 Prozent) und ein Doppelprädikat ist nach wie vor für 48 Prozent der insolvenzrechtlichen Kanzleien wünschenswert. Die Examenszeugnisse sollen belegen, dass sich der Bewerber „gut und schnell in verschiedene Rechtsgebiete einarbeiten“ kann – der sichere Umgang mit Arbeits-, Gesellschafts-, Handels- und Baurecht ist gerade im Alltag eines Insolvenzrechtsanwalts unverzichtbar. Auch im Medizinrecht ist die Bedeutung der Prädikatsexamen wieder gestiegen, ein Prädikatsexamen ist für 62 Prozent der befragten Kanzleien und zwei für 42 Prozent „wichtig“ oder „sehr wichtig“ – 2007 galt das für nur 20 Prozent. Lediglich im Familienrecht spielt ein Prädikatsexamen für nur 48 Prozent eine Rolle und das Doppelprädikat für knapp ein Drittel der Kanzleien. Anwälte vertreten zunehmend – zumTeil aus eigener Erfahrung – die Auffassung, dass Examen eben doch „Glückssache“ sind und nicht zwingend etwas über die tatsächlichen Fähigkeiten eines Bewerbers aussagen. Das spiegelt sich auch darin wider, dass für zwei Drittel aller befragten Kanzleien ein nur ausreichendes Examen nicht automatisch das Aus der Bewerbung bedeutet, sondern lediglich der Blick auf den Lebenslauf kritischer wird.
  Das Engagement für das Rechtsgebiet lässt sich am besten durch Stationen im Referendariat belegen. Neben den Noten ist das für mehr als 40 Prozent aller befragten Kanzleien ein wichtiges Indiz. Aber die Kanzleien bleiben realistisch: „Stationen im Medizinrecht kann man nicht erwarten, damit schießen sich die Studenten ja für das Examen selbst ins Bein“, sagt ein Partner einer norddeutschen mittelständischen Kanzlei offen. Wo im Medizinrecht „Branchenkenntnis“ hilft, wird im Insolvenzrecht eine betriebswirtschaftliche Ausbildung fast schon erwartet. Der Trend zur Praxis zeigt sich auch in der schwindenden Bedeutung der Promotion. Im Medizinrecht ist der Doktortitel immerhin noch für gut ein Drittel der befragten Kanzleien „wichtig“, im Insolvenzrecht für noch 17 Prozent. Im Familienrecht ist die Promotion für mehr als die Hälfte der Kanzleien völlig egal. Der LL.M. steht demDoktortitel – außerhalb der Welt der internationalen Sozietäten – weiterhin um einiges nach, er ist für etwa zwei Drittel aller Kanzleien „absolut“ unwichtig.
   Und wie steht es mit einem Fachanwaltslehrgang? Auch er gilt als Ausdruck von Engagement. Seine Bedeutung ist besonders imInsolvenzrecht stark gestiegen, waren es 2007 noch 23 Prozent, so sind es heute 46 Prozent der befragten Kanzleien, denen er „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ist. Im Medizinrecht stieg der Wert von 40 Prozent auf 47,5 Prozent und mit 64 Prozent ist der Fachanwaltslehrgang im Familienrecht nach wie vor besonders gern gesehen.

Noten und Jura sind nicht alles

Und was zählt noch? Mit „gepflegtenManieren“, „Begeisterungsfähigkeit“, „unternehmerischem Denken“ und einer „eloquenten Ausdrucksweise inWort und Schrift“ – manche Kanzleien schauen sich sogar die Deutschnote im Abitur an – können Bewerber punkten. Im Familienrecht ist „soziale  Kompetenz“ überragend wichtig. Im Medizinrecht richten sich die „soft skills“ vor allem nach der  Mandantengruppe.Wer Patienten vertritt, braucht Fingerspitzengefühl, wer Ärzte berät,muss abends arbeiten und Kanzleien, die viele Krankenhausträger vertreten, wollen flexible Anwälte, die auch nicht vor dem Arbeits- oder Versicherungsrecht zurückschrecken. Überhaupt fiel auf: Im Medizinrecht wächst der Markt noch – was sich in besonders gut gelaunten und entspannten Gesprächspartnern zeigte. Für die Arbeit im Insolvenzrecht braucht man „Nerven so breit wie Bandnudeln“, wie es ein Insolvenzrechtsanwalt zusammenfasst, der seit knapp vierzig Jahren im Geschäft ist. Wer sich auf den Anwaltsberuf vorbereitet, wird dafür auch belohnt. Engagierte Bewerbungen haben momentan gute Aussichten auf Erfolg: Ein Drittel aller Kanzleien suchen derzeit nach anwaltlichem Nachwuchs – und pauschale Kriterien für die erfolgreiche Bewerbung schwinden. Es zählt ein schlüssiger Lebenslauf, der zur Person und dem Auftreten des Bewerbers passt. //

Der Gehälter- und Einstel­lungs­report
Die elfte Umfrage
Was bieten Großkanz­leien
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 1/2012

Der Kampf um die Talente ist entbrannt. Anwaltskanzleien suchen wieder Nachwuchs – und wenn nicht die Finanzkrise den wirtschaftlichen Aufschwung irgendwann abwürgt, kann man sagen: Die Zeiten für die Absolventen des zweiten Staatsexamens sind so gut wie lange nicht mehr. Gleichzeitig differenzieren sich die Einstiegsgehälter immer stärker: Sie reichen von 25.000 Euro in Chemnitz im Zivilprozessrecht bis zu 115.000 Euro bei Cleary Gottlieb in Frankfurt am Main für den Bereich Litigation. Anwaltskanzleien werden immer mehr zu Unternehmen, die nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden.
Damit einher geht in allen Marktsegmenten eine Ausdifferenzierung: Für unterschiedliche Branchen und Personenkreise oder für besondere Rechtsgebiete werden maßgeschneiderte Beratungs- und Prozessangebote entwickelt. Die großen Sozietäten und immer mehr mittelständische Kanzleien machen das im Rahmen des Business Development ganz geplant, kleinere Kanzleien treibt der Konkurrenzdruck eher unbewusst. Eine Folge dieser Professionalisierung des Unternehmens Kanzlei: Personalentscheidungen werden in immer stärkerem Maße zu unternehmerischen Entscheidungen.

Erstklassige Juristen händeringend gesucht
Das hat eine gute und eine schlechte Seite für die Kandidaten. Ernüchternd für viele Absolventen des zweiten Staatsexamens: Die Spitzengehälter in den Top-Segmenten bekommen nur die Besten der Besten.Wer bei internationalen Sozietäten mehr als 100.000 Euro im Jahr bekommen möchte, sollte tunlichst vom ersten Arbeitstag an in der englischen Sprache arbeitsfähig sein – und ein Spitzenjuristmit erstklassigen Examina im Bereich vollbefriedigend oder gut. Die Promotion ist dagegen nichtmehr überall so wichtig, ein englischer oder amerikanischer LL.M. wird sehr gerne gesehen. Wer dann aber imvollen Ornat antreten kann, erhält diese Super-Gehälter auch im Bereich Litigation.Wer auch in kleineren Kanzleien mit guten Einstiegsgehältern mit um die 60.000 Euro rechnen will, sollte auch ein – durch ordentliche Noten ausgewiesener – überdurchschnittlicher Jurist sein. Die gute Nachricht: Der Kampf um die Talente ist inzwischen so intensiv, dass von den zukünftigen Junganwältinnen und Junganwälten beim Berufsstart wenig anwaltliches Know-how erwartet wird. „Wir sind schon froh, wenn in der Anwaltsstation nicht nur getaucht wurde“, sagt ein Anwalt aus einer Landgerichts-Kanzlei. In den  ersten Berufsjahrenmüssen die Bewerber advokatorisches Geschick und unternehmerisches (Mit-)Denken lernen. „Ein guter Anwalt muss man erst nach zwei Jahren sein“, sagt ein Managing Partner einer großen Kanzlei. Dann entscheide sich auch, wie die weitere Karriere in der Kanzlei verlaufen könne – und wie die jungen Anwälte dann persönlich das ThemaWork-Life-Balance sehen. Denn noch immer gilt:Wer als Anwalt erfolgreich sein will, arbeitet schnell mehr als andere Juristen. Bei allem Optimismus im Markt: Der zweite Blick zeigt, dass es natürlich auch im Aufschwung Unterschiede gibt. Im Patentrecht suchen mehr als 30 Prozent der befragten Kanzleien Nachwuchs und manche Kanzleien stellen sogar mehrere Bewerber ein. Im Zivilprozessrecht sind immerhin noch fast 20 Prozent auf Nachwuchssuche. Auffällig: Es sind häufig ältere, erfahrene Anwälte um die 60 Jahre, die einen potentiellen Nachfolger suchen.Wenig Chancen haben Kandidaten imAusländer- und Asylrecht: Das Rechtsgebiet ist keinWachstumsmarkt. Für rund 75 Prozent der befragten Anwälte ist es ein „Nebenbei“-Geschäft neben anderen Rechtsgebieten von Arbeitsrecht über Familienrecht bis hin zum Strafrecht. Nur 7,5 Prozent der befragten Kanzleien suchen deshalb. Im Vergleich zu dem hohen Einstellungsbedarf der Kanzleien im Handels- und Gesellschaftsrecht, wie ihn der neunte Einstellungs- und Gehälterreport im Frühjahr 2011 belegt hat, fällt aber auf: Die Prozessspezialisten suchen weniger Nachwuchs als ihre auf das Beratungsgeschäft spezialisierten Kollegen.

Fremdsprachen und Persönlichkeit
Einen überragend wichtigen Trend hat aber auch der zehnte Einstellungs- und Gehälterreport wieder bestätigt: Ohne Fremdsprachen geht es nichtmehr. Im Patentrecht sind sie sogar bei 39 Prozent der befragten Kanzleien „sehr wichtig“ und bei 50 Prozent immer noch „wichtig“. Das sind zusammen fast 90 Prozent. Ein Prädikatsexamen finden dagegen nur rund 70 Prozent der Patentrechtler „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Das ist am Ende nicht überraschend, weil fast 75 Prozent der befragten Kanzleien relevantes Geschäft mit Mandanten aus dem Ausland haben. Selbst imZivilprozessrecht liegen die Fremdsprachenkenntnisse mit fast 60 Prozent Nennungen als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ an der Spitze. „Die Gerichtssprache mag deutsch sein, bei wirklich bedeutenden Verfahren ist heute aber immer ein Syndikusanwalt dabei, der in Englisch informiert werden will“, sagt ein Seniorpartner aus einer Kanzlei in Hamburg. Ein Prädikatsexamen erwarten dagegen im Zivilprozess- recht nur noch 42 Prozent der befragen Kanzleien.Der Kampf um die Talente führt zu Realismus. Im Ausländer- und Asylrecht ist ein besonderer Idealismus Ausdruck von Realismus: „Für das Ausländer und Asylrecht brauchen Sie Herzblut“, sagt eine Anwältin. „Man muss das wollen.“
Die Gespräche mit Partnern und Personalverantwortlichen in den Kanzleien belegen: Examens-,Schwerpunkts- und Stationsnoten entscheiden meist nur noch darüber, ob man zum persönlichen Bewerbungsgespräch vorgelassen wird. Dann zählen die „soften“ Kriterien: Auftreten, Ausstrahlung, Außenwirkung, Gewandtheit und Sympathie. Das gilt für das Patentrecht und das Zivilprozessrecht wie für das Ausländer- und Asylrecht. Auf Nachfragen werden die erfahrenen Anwältinnen und Anwälte konkreter: „Ich will sehen, ob jemand wirtschaftlich denkt“, „Ohne Mandantenorientierung in der Arbeit geht es nicht“ oder „Der Kandidat muss rechtliche Zusammenhänge einfach darstellen können“, heißt es dann. Und immer wieder wird ein Schlagwort in allen drei Rechtsgebieten genannt: „Lebenserfahrung.“ Die Kandidaten müssen erwarten lassen, ihre Mandantenmit „Fingerspitzengefühl“ und „Augenmaß“ zu betreuen. Und ob das ein Kandidat hat, zeigt sich dannmeist erstmals bei den Gehaltsverhandlungen. „Jeder Bewerber sollte wissen, dass die Erwartungen in ihn steigen, umso höher sein Gehalt liegt“, sagt ein Seniorpartner einer Kanzlei, die zukünftige Partner sucht. //

Die zehnte Umfrage: 300 Kanzleien

Der Einstellungs- und Gehälterreport von Anwaltsblatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei mittelständischen Kanzleien, bei Großkanzleien sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden mehr als 270 mittelständische und 29 Großkanzleien befragt. Die Resonanz war bei der Umfrage im Sommer 2011 außergewöhnlich hoch. Gerade die kleineren und mittleren Kanzleien im Zivilprozessrecht haben – zu unserer Überraschung – fast durchweg offen Auskunft gegeben. Dort spüren die Kanzleien: Die Nachwuchssuche wird schwerer, gerade außerhalb der Anwaltshauptstädte. Im Patentrecht haben drei Viertel der angefragten Kanzleien mitgemacht. Ein üblicher Wert. Im Ausländer- und Asylrecht haben dagegen 45 Prozent der angefragten Kanzleien die Auskunft verweigert. Eine Erklärung: Wenn die Arbeit nicht für zwei Anwälte reicht, spielt die Nachwuchssuche
keine Rolle. Offen wie immer waren die internationalen Sozietäten und die Großkanzleien, die mit ihnen konkurrieren. Die Großkanzleien erhielten einen Fragebogen. Mit den mittelständischen Kanzleien wurden zwanzigminütige Telefoninterviews geführt. Gesprächspartner waren Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die über einen örtlichen Anwaltverein Mitglied im Deutschen Anwaltverein sind und der Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Anwaltvereins für dieses Rechtsgebiet angehören. Die Gesprächspartner wurden aus dem Bestand der Deutschen Anwaltadresse aufgrund
ihrer Tätigkeitsgebiete ausgewählt. Es wurden (außer im Ausländer- und Asylrecht) nur Anwälte befragt, die nachhaltig im jeweiligen Rechtsgebiet tätig sind. Die Ergebnisse der Umfrage wurden wieder durch Recherchen der Redaktion bei Anwältinnen und Anwälten überprüft, die in örtlichen Anwaltvereinen, in den Landesverbänden, den Arbeitsgemeinschaften oder im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins aktiv sind.

Der Gehälter- und Einstel­lungs­report
Die zehnte Umfrage
Was bieten Großkanz­leien
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 2/2011
Gehälter- und Einstel­lungs­report
Die neunte Umfrage
Was bieten Großkanz­leien
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 1/2011
Gehälter- und Einstel­lungs­report
Die achte Umfrage

Was bieten Großkanz­leien

GehaelterreportGrokanzlei.pdf (pdf, 278,9 kB)
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 2/2010

Steuern mögen die Bürger nicht und auch viele Anwälte machen gerne einen Umweg um das Steuer­recht. Doch das kann sich schnell rächen:Wenn es ums Geld geht,will kein Mandant am Ende zuviel beim Fiskus sehen. Das gilt im Erbrecht genauso wie im Gesell­schafts­recht. Ohne Steuer­recht geht es daher vielfach nicht mehr. Das wissen auch die Großkanz­leien. Ebenfalls wenig beliebt: das Sozial­recht.Wenn der Bürger um Hartz IV streitet, gilt das als wenig lukrativ. Doch auch hier gilt: Das Senio­ren­recht rund um Pflege und Krankheit bietet Chancen – und bei der Arznei­mit­tel­ver­sorgung geht es sogar ums große Geld.„Die Spezia­li­sierung ist nur erfolg­reich, wenn der Blick nach rechts und links nicht verloren geht“, sagt ein Sozial­rechtler, der in der Schnitt­menge zwischen Sozial- und Medizin­recht erfolg­reich ist. Mangelware: Offene Stellen – doch es gibt Nischen Gute Anwälte werden immer gebraucht, hatte Anwalts­blatt Karriere vor einen halben Jahr geschrieben. Trotz Krise – hieß es im fünften Gehälter- und Einstel­lungs­report – suchten Unter­nehmen noch immer Syndi­kus­an­wälte und auch die IT-Rechtler stellten noch ein. Der Optimismus scheint verflogen zu sein. Zumindest für das Erbrecht, das Steuer­recht und das Sozial­recht gilt: Die schwierige wirtschaft­liche Lage sorgt bei den Kanzleien für Zurück­haltung. Im Sozial­recht stellen 95 Prozent der Kanzleien dieses Jahr keinen Berufs­an­fänger ein. Im Steuer­recht das gleiche Bild – nur die Großkanz­leien haben noch Bedarf. Etwas optimis­ti­scher sind nur die Erbrechtler: Immerhin zehn Prozent der befragten Kanzleien wollen einstellen oder haben 2009 bereits einge­stellt – und immerhin fast ein Drittel der im Erbrecht befragten Kanzleien suchen 2009 in anderen Rechts­ge­bieten noch Anwäl­tinnen und Anwälte (bei den Steuer­rechtlern sind es 25 Prozent, bei den Sozial­rechtlern nur 12 Prozent). Düstere Aussichten also? Der zweite Blick zeigt, dass es auch in der Krise Gewinner gibt. „Wir haben Mandate, wir wachsen und wir suchen“, sagt ein Erbrechtler, der seinen Schwer­punkt nicht in gericht­lichen Ausein­an­der­set­zungen, sondern in der vorsor­genden Rechts­be­ratung hat. Die Erbschafts­steu­er­re­formhabe bei vielenMan­danten Problem­be­wusstsein geschaffen. Die zweite gute Nachricht: Die Umfrage belegt nicht, dass es beim Einstiegs­gehalt einen Krisen­ab­schlag gibt. Es bleibt beim Grundsatz: Wer überhaupt einstellt, zahlt auch ordentlich. „Wir wollen gute Bewerber, die sich bei uns wohl fühlen“, sagt ein Steuer­rechtler, der sich auf Steuer­sünder spezia­li­siert- hat. Die Gehälter der Großkanz­leien könne seine Kanzlei zwar nicht bieten, aber das Gehalt solle schon motivieren. Gut aufge­stellte Anwälte gibt es auch im Sozial­recht, auch jenseits der selbst für Großkanz­leien attrak­tiven Super­fälle. Aller­dings werden häufig keine angestellten Anwälte gesucht: „Ich biete einem Anwalt die Chance, mit mir eine Büroge­mein­schaft zu bilden“, sagt ein Sozial­rechtler, der als Einzelanwalt eine durchaus typische Mandatss­truktur hat. Rund drei Viertel seiner Mandanten sind Privat­per­sonen. Die weniger lukra­tiven Fälle würde er abgeben, das wirtschaft­liche Risiko müsse der Neue aber alleine tragen. Das Beispiel belegt: Gerade im Sozial- und Erbrecht wollen nur 50 Prozent der befragten Kanzleien die Anwältin, den Anwalt fest anstellen. Nur im Steuer­recht dominiert das klassische Anstel­lungs­ver­hältnis.Neuer Trend: Die Praxis zählt immer stärker Das Doppel­prä­dikat aus erstemund zweitemStaats­examen zählt vor allembei den befragten Kanzleien imSteu­er­recht (12,8 Prozent ist es „sehr wichtig“, 41 Prozent „wichtig“) und im Erbrecht (10 Prozent „sehr wichtig“, 37,7 Prozent „wichtig“). Bei 40 Prozent der Kanzleien brauchen sich Kandi­daten mit „ausrei­chend“ auch gar nicht erst bewerben (imSozi­al­recht ist das nur bei einemViertel der Kanzleien ein K.o.-Kriterium). Zugleich zeigen die Ergeb­nisse der Umfrage, dass die Kanzleien immer stärker auf praktische Erfah­rungen schauen. Ein abgeschlos­sener Fachan­walts­lehrgang ist bei fast 60 Prozent der imSozi­al­recht befragten Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“. „Sozi­al­recht lernt man nicht an der Uni.Wer 120 Theorie-Stunden in den Fachanwalt inves­tiert,meint es ernst“, sagt ein Anwalt. Im Steuer­recht ist der Kursus immerhin noch 43 Prozent, im Erbrecht 36 Prozent der Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Dazu passt: Eine einschlägige Station imRefe­ren­dariat fördert die Bewerbung und auch die DAV-Anwalt­aus­bildung erhöht die Chancen. Rund ein Drittel der befragten Kanzleien stuft sie als „wichtig“ ein. „Ich will Kandi­daten, die wirklich Anwalt werden wollen“, sagt ein Erbrechtler. Und die Klassiker Fremd­sprachen und Doktor­titel? Im Steuer­recht halten 72 Prozent der Kanzleien Fremd­sprachen für „sehr wichtig“ oder „wichtig“ – fast ein Drittel schätzen Ausland­ser­fahrung (im Sozial­recht liegt derWert bei 14,3 Prozent und im Erbrecht nur bei 10 Prozent). Der Doktor ist dagegen im Erbrecht rund einem Drittel der befragten Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“, während derWert für das Steuer­recht bei 23 Prozent und im Sozial­recht bei 11 Prozent liegt. Kein Karrie­re­be­schleu­niger ist dagegen der LL.M. Auffällig bei der sechsten Umfrage: In allen drei Rechts­ge­bieten achten die Kanzleien ausdrücklich auf „soziale Kompetenz“.Was das heißt? „Ich erwarte Verständnis für Probleme von Sozial­hil­fe­emp­fängern“, sagt eine Sozial­recht­lerin. Persön­lichkeit, unter­neh­me­rische Eigen­schaften und die Fähigkeit, auf Dritte zuzugehen, sind hoch im Kurs.Aufschläge für gute Kandi­daten Die sechste Umfrage zeigt, dass die Ansprüche der Kanzleien steigen. Gilt das auch für die Einstiegs­ge­hälter? Im Erbrecht und im Steuer­recht ja, im Sozial­recht können und wollen nur die Spitzen­kanz­leien einen Aufschlag zahlen. Honoriert werden von einem Drittel der Kanzleien neben guten Noten vor allem der Fachan­walts­kursus. Aufschläge von 10 bis 20 Prozent kommen vor. Doch Vorsicht: Gerade im Steuer­recht und Sozial­recht arbeiten rund 45 Prozent der Kanzleien mit Prämien und Umsatz­be­tei­li­gungen (bei den Erbrechtlern sind es fast 40 Prozent). Ein Steuer­rechtler:„Am Ende zählen beim Gehalt nur die harten Fakten.“ Jede Einstellung ist ein unter­neh­me­ri­schesWagnis,das sich am Ende für Kanzlei und Kandidat rechnen muss.

Die Umfrage

Der Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei mittel­stän­di­schen Kanzleien, bei Großkanz­leien sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden 284 mittel­stän­dische und 32 Großkanz­leien befragt. Die Überra­schung: Die ansonsten eher diskret im Hinter­grund agierenden Erb- und Steuer­rechtler sprechen offen über die Einstiegs­ge­hälter, während die Sozial­rechtler zwar gerne alle Fragen beant­worten, beim Gehalt aber eher schweigen (siehe dazu die Übersicht auf den Seiten 20 und 23). Die Verwei­ge­rungs­quote lag in allen drei Rechts­ge­bieten bei rund 25 Prozent. Der Wert zeigt, dass die Anwälte im Grundsatz nichts mehr gegen Trans­parenz bei den Einstel­lungs­ge­hältern haben. Die Großkanz­leien sind hier Vorreiter gewesen (siehe dazu die Übersicht auf den Seiten 24/25). Die Großkanz­leien erhielten einen Frage­bogen. Mit den mittel­stän­di­schen Kanzleien wurden zwanzig­mi­nütige Telefon­in­ter­views geführt. Gesprächs­partner waren Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälte, die über einen örtlichen Anwalt­verein Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaften Erbrecht (fast 1.500 Mitglieder), Steuer­recht (mehr als 800 Mitglieder) und Sozial­recht (mehr als 900 Mitglieder) des Deutschen Anwalt­vereins ausge­wählt. Es wurden nur Anwälte befragt, die nachhaltig im jewei­ligen Rechts­gebiet tätig sind. Das erklärt, warum in der Umfrage Sozie­täten (mehr als 85 Prozent) dominieren. Ausnahme ist wieder das Sozial­recht: Hier waren ein Viertel der Befragten als Einzel­an­wälte (überwiegend in Büroge­mein­schaft mit anderen Anwälten) tätig. Rund 80 Prozent der befragten Anwälte war länger als zehn Jahre (viele länger als 20 Jahre) zugelassen. Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden durch Recherchen der Redaktion bei Anwäl­tinnen und Anwälten überprüft, die in örtlichen Anwalt­ver­einen, in den Landes­ver­bänden,den Arbeits­ge­mein­schaften oder im Vorstand des Deutschen Anwalt­vereins aktiv sind.

Was bieten Großkanz­leien?
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 2/2009

Text: Rechtsanwalt Dr. Nicolas Lührig, Berlin

Gute Anwälte werden immer gebraucht. Das ist richtig und gilt auch in der Krise. Die Erkenntnis tröstet aber nicht die Bewerber, die eine erfolglose Bewerbung nach der anderen schreiben – auch wenn es ihnen wie vielen der rund 6.500 Absol­venten gehen wird, die dieses Jahr wieder Anwältin oder Anwalt werden. Denn eines hat der fünfte Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere gezeigt: Unter­nehmen jeder Größe sind 2009 bei der Einstellung von Syndi­kus­an­wälten zurück­haltend und auch bei den auf das Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie-Recht (IT-Recht) spezia­li­sierten Kanzleien suchen deutlich weniger Kanzleien Nachwuchs. Während 2007 und 2008 noch mehr als 50 Prozent der befragten Unter­nehmen einen Syndi­kus­anwalt einge­stellt haben, wollen das 2009 nur noch 20 Prozent tun. Bei den IT-Rechts­kanz­leien zeigt der Trend ebenfalls nach unten: 2007 haben noch 23,5 Prozent eine oder mehrere Stellen besetzt, 2008 noch 20 Prozent und 2009? Jetzt wollen nur noch 17 Prozent der befragten Kanzleien einstellen.

Die gute Nachricht: Auch in der Krise wird eingestellt

Die positive Seite der Zahlen: Auch in der Krise wird einge­stellt. Das gilt für die Großkanz­leien, die im IT-Recht Verstärkung suchen, aber auch für Unter­nehmen: „Wenn wir eine Vakanz haben, dürfen wir auch besetzen“, sagt ein Chefsyn­di­kus­anwalt. Eine Syndi­kus­an­wältin aus der Energieb­ranche betont: „Unser Unter­nehmen wächst und deshalb brauchen wir auch einen weiteren Syndi­kus­anwalt.“ Überhaupt Erfolg: „Wer zufriedene Mandanten hat, bekommt immer mehr Mandate und braucht irgendwann auch Verstärkung, Krise hin oder her“, sagt ein IT-Rechtss­pe­zialist aus einer Drei-Personen-Kanzlei. Diese Aussage ist typisch für das IT-Recht: Fast 95 Prozent der befragten Anwälte suchen zukünftige Partner, also Anwälte, für die das Anstel­lungs­ver­hältnis nur Durch­gangs­station zur Selbstän­digkeit ist.

Deshalb gilt, was auch schon frühere Einstel­lungs- und Gehäl­ter­re­porte von Anwalts­blatt Karriere gezeigt haben: Wer sich einen angestellten Anwalt leistet, zahlt in der Regel auch ordentlich. Aller­dings: Auch bei den Großkanz­leien wachsen die Gehälter nicht (mehr) in den Himmel – zumindest wenn sie für das IT-Recht einstellen. Beim fachlichen Profil werden kaum Abstriche gemacht. Erwartet werden zwei voll befrie­di­gende Examen, Promotion oder LL.M. und bestes Englisch. Top-Bewerber können auch die magische Zahl von 100.000 Euro pro Jahr erreichen. Bei vielen Großkanz­leien liegen im IT-Recht die Einstiegs­ge­hälter aber eher bei 80.000 bis 95.000 Euro – und gehen auch einmal bis 75.000 Euro herunter. Und Kanzleien wie Clifford Chance, Hengeler Mueller oder Cleary Gottlieb bieten das IT-Recht gar nicht an.

Die Zahlen der Großkanz­leien zeigen: Der Abstand zu den mittel­stän­di­schen Kanzleien ist auf den ersten Blick gar nicht so groß, weil mittel­stän­dische IT-Rechts­kanz­leien bis zu 65.000 Euro bieten. Doch der zweite Blick zeigt: Das sind Ausreißer. Die meisten der befragten Kanzleien zahlen deutlich weniger – manche liegen sogar unter 30.000 Euro. Der Grund: Auf der Gewin­ner­seite stehen Kanzleien, die Outsourcing-Projekte betreuen oder ständig Software-Anbieter beraten. Wer dagegen im IT-Recht vor allem fehlge­schlagene Inter­net­käufe und die Daten­schutz­fälle privater Verbraucher betreut, kann dem Nachwuchs nur ein geringes Gehalt bieten.

So ähnlich sieht es auch bei den Einstel­lungs­ge­hältern von Syndi­kus­an­wälten aus. Die ganze Vielfalt der Wirtschaft spiegelt sich in ihnen wider. Wer Top-Bewerber auf dem Niveau der Großkanz­leien sucht, zahlt auch entspre­chend gut. So gibt die E.on AG aus Düsseldorf als Einstiegs­gehalt 70.000 bis 75.000 Euro an, was aber für absolute Top-Bewerber im Einzelfall auch bis auf 100.000 Euro steigen kann. Bei einem anderen führenden deutschen Unter­nehmen ist dagegen bei 59.000 Euro Schluss. Beiden Unter­nehmen gemeinsam ist: Gesucht werden Syndi­kus­an­wälte, die auf dem Niveau der teureren externen Anwälte arbeiten. Dieses Profil suchen aber nicht alle Unter­nehmen: „Unsere Anwälte in der Rechts­ab­teilung sollen das Alltags­ge­schäft erledigen, die Sonder­fälle machen wir mit externen Anwälten“, sagt eine Syndi­kus­an­wältin. Klar, dass dann das Gehalt auch deutlich niedriger ist. Das mag auch erklären, warum nur bei 36 Prozent der befragten Unter­nehmen ein ausrei­chendes Examen ein absolutes Ausschluss­kri­terium ist (während mit einem „ausrei­chend“ bei 50 Prozent der befragten IT-Kanzleien die Bewerbung beendet ist).

Ohne Fremdsprachen geht nichts mehr

Bei den Einstel­lungs­vor­aus­set­zungen will kein Unter­nehmen auf Fremd­spra­chen­kennt­nisse verzichten. Für 75 Prozent sind sie sehr wichtig und für 25 wichtig. 80 Prozent der Unter­nehmen schauen in der Bewerbung darauf, ob die Fremd­spra­chen­kennt­nisse im Ausland erworben worden sind. So kritisch sind die IT-Rechtler nicht. Nur knapp 40 Prozent erwarten einen Auslands­auf­enthalt. Aber auch bei den IT-Rechtlern finden 85 Prozent der befragten Anwälte Fremd­spra­chen­kennt­nisse sehr wichtig oder wichtig.

Was noch zählt? Unter­nehmen erwarten praktische Erfahrung. Erste Berufs­er­fahrung halten fast 70 Prozent für sehr wichtig oder wichtig. „Wir suchen Pragma­tiker“, sagt ein Syndi­kus­anwalt. „Unter­neh­me­ri­sches Denken“, „Dienst­leis­tungs­be­wusstsein“ oder eine kaufmän­nische Ausbildung werden von den befragten Syndi­kus­an­wäl­tinnen und -anwälten immer wieder verlangt. IT-Rechtler achten dagegen eher darauf, ob der Kandidat die Nähe zum Rechts­gebiet in der Ausbildung gezeigt hat. Eine einschlägige Station im Referen­dariat halten 93 Prozent der befragten Kanzleien für wichtig – und einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang im IT-Recht finden mehr als 90 Prozent sehr wichtig oder wichtig (ganz anders als ihre Mitbe­werber in den Großkanz­leien). Und noch etwas fällt in den Inter­views auf: Die IT-Rechtler achten besonders darauf, dass die persön­liche Chemie stimmt. „Ich muss mir vorstellen, dass der Kandidat einmal Partner bei uns wird“, sagt ein Anwalt im IT-Recht. Dazu passt, dass rund 40 Prozent der befragten Anwälte in Kanzleien mit drei bis fünf Anwälten arbeiten. Für eine Rechts­ab­teilung ist das eine eher kleine Größe.

Die Umfrage

Der Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei Unter­nehmen in Deutschland, bei mittel­stän­di­schen Kanzleien und bei Großkanz­leien (im Bereich IT-Recht) sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden 28 Großkanz­leien und mehr als 225 Kanzleien und Unter­nehmen in Telefon­in­ter­views befragt. Erfreulich: Während Kanzleien in vielen Rechts­ge­bieten ungern über das Einstel­lungs­gehalt sprechen, waren sowohl die Unter­neh­mens­ver­treter als auch die IT-Rechtler auskunfts­freudig. Nur wenige verwei­gerten Zahlen. Die Quote der Total­ver­wei­gerer (also derje­nigen, die jegliche Auskünfte verwei­gerten) lag diesmal sehr niedrig (bei den Syndi­kus­an­wälten bei rund sieben Prozent und bei den IT-Rechtlern bei rund zehn Prozent). Nach wie vor offen über das Einstel­lungs­gehalt sprechen die Großkanz­leien, sind doch Gehälter bis zu 100.000 Euro im Jahr ein wichtiges Argument für Bewerber. Deutlich zugeknöpfter sind die im DAX gelis­teten Unter­nehmen, die zum Teil die Höhe der Einstel­lungs­ge­hälter nur unter der Hand mitteilten. Die Großkanz­leien erhielten ebenso wie die DAX-Unter­nehmen einen Frage­bogen, mit den mittel­stän­di­schen Kanzleien und nicht im DAX gelis­teten Unter­nehmen wurden zwanzig­mi­nütige Telefon­in­ter­views geführt. Gesprächs­partner waren Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälte, die Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaften Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie (mehr als 600 Mitglieder) sowie Syndi­kus­an­wälte (500 Mitglieder) ermittelt. Voraus­setzung für die Auswahl der Gesprächs­partner im IT-Recht war, dass die Anwältin oder der Anwalt ausschließlich oder mit einem sehr großen Schwer­punkt im ITRecht tätig ist. Bei den Syndi­kus­an­wälten wurde auf einen Branchenmix (vom Autobauer über Banken bis hin zum Bergbau) und einen Größenmix (von 90 Millionen Euro Jahres­umsatz in Deutschland bis 4,5 Milli­arden Euro) geachtet. Unter den befragten Syndi­kus­an­wälten waren nur zwei Einzel­kämpfer im Unter­nehmen, es dominierten Rechts­ab­tei­lungen ab drei Juristen aufwärts.

Übersicht Syndi­kus­an­wälte
Übersicht IT-Recht
Was bieten Großkanz­leien?
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 1/2009

Text: Rechtsanwalt Dr. Nicolas Lührig, Berlin

Frankfurt am Main, Düsseldorf oder München sind attraktive Städte. Attraktiv sind dort auch die Einstiegs­ge­hälter für junge Anwälte: Mehr als 100.000 Euro pro Jahr sind für junge Bank- und Kapital­markt­rechtler drin. Und was machen die tausenden Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens, die Anwalt werden, aber keine zwei Prädi­katsexamen haben, mehr schlecht als recht englisch sprechen und keinen LL.M. oder Doktor mitbringen? Sie sollten einmal in die Provinz schauen. Verden an der Aller, Bayreuth oder Koblenz gehören zu den mehr als 110 Städten in Deutschland mit einem Landge­richt. Und in allen diesen Städten gibt es regional verwur­zelte Kanzleien. Mit drei bis zehn Partnern sind sie die Platz­hirsche am Ort. Die erfolg­reichen Sozie­täten unter ihnen vertei­digen ihre Stellung in der Region – und suchen Nachwuchs. Rund 25 Prozent der regio­nalen Topkanz­leien stellen 2008 ein und immerhin noch 18 Prozent planen bereits jetzt für 2009 Einstel­lungen.

Der Trend zur Spezia­li­sierung ist zwar ungebrochen: Auch in den regio­nalen Topkanz­leien macht ein Partner das Arbeits­recht, einer das Famili­en­recht, einer das Verkehrs- und Versi­che­rungs­recht und einer das Handels- und Gesell­schafts­recht. Aber als Kollektiv können diese kleinen Einheiten – jenseits der ganz großen Mandate – durchaus regional erfolg­reich sein. Die ausge­wie­senen Spezia­listen sind dagegen deutlich zurück­hal­tender bei der Nachwuchs­suche: Bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern stellen 2008 nur sieben Prozent Nachwuchs ein – und auch für 2009 sind die mittel­stän­di­schen Kanzleien in diesem Rechts­gebiet nicht optimis­ti­scher. Ausnahme: Die Großkanz­leien. Fast alle wissen bereits heute, dass sie wachsen wollen. Baker & McKenzie und Linklaters suchen 2009 gleich 15 Anwäl­tinnen und Anwälte, denn gerade auch in der Krise werden Anwälte gebraucht.

Sonderrolle Strafrecht

Eine Sonder­rolle nimmt in diesem Gehäl­ter­report das Straf­recht ein. Obwohl die auf das Wirtschaftss­traf­recht spezia­li­sierten Straf­rechts­bou­tiquen durchaus junge Spitzen­an­wälte suchen, ist das Ergebnis der Umfrage ernüch­ternd: 2008 hat keine der befragten Kanzleien einge­stellt – und auch für 2009 sieht es nicht viel besser aus. Der Grund: An der Umfrage haben sich vor allem Kanzleien beteiligt, die von Vertei­di­gungen in Betäu­bungs­mit­tel­de­likten, Kapital­de­likten, Verkehrs­sachen oder Jugend­straf­recht leben. Und da lässt die Ertragslage zu wünschen übrig. Die Gründe sind vielfältig: Fast alle Kanzleien machen Pflicht­ver­tei­di­gungen. Auch die anderen Mandate werden überwiegend auf der Basis des Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setzes (RVG) abgerechnet und das honoriert schlecht, vor allem die Tätigkeit im Ermitt­lungs­ver­fahren (Höchst­gebühr 550 Euro, mit Haftzu­schlag 687,50 Euro) und in Revisi­ons­ver­fahren (Höchst­gebühr 930,mitHaft­zu­schlag 1162,50).

Was erwarten die Kanzleien?

Bei den Einstel­lungs­vor­aus­set­zungen spielt das Straf­recht dann aber keine Sonder­rolle mehr: Für rund 60 Prozent der befragten Kanzleien ist zumindest ein Prädi­katsexamen wichtig oder sehr wichtig und immerhin 30 Prozent finden auch zwei Prädi­katsexamen wichtig oder sehr wichtig. Das sind ähnliche Werte wie bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern. Deutlich anspruchs­voller sind nur die regio­nalen Topkanz­leien: Mehr als 80 Prozent der befragten Kanzleien erwarten zumindest ein Prädi­katsexamen und für fast 65 Prozent sind zwei Prädi­katsexamen wichtig oder sehr wichtig. Ein Senior­partner sagt dazu: „Wir wollen nicht wachsen um jeden Preis, sondern uns verstärken.“ Deshalb suchen die regio­nalen Topkanz­leien auch zu mehr als 90 Prozent zukünftige Partner – und fast 60 Prozent der Kanzleien wollen ihren Nachwuchs innerhalb von fünf Jahren zu Partnern machen. Solche Partne­raus­sichten werden nur noch selten geboten. Dafür erwarten aber 70 Prozent der befragten Kanzleien, dass ihr Anwalt am Standort wohnt. Aus der Region muss er aber nicht stammen. Nur für sechs Prozent ist das eine zwingende Voraus­setzung.

Auf die Noten kommt es längst nicht mehr alleine an: Bei den Straf­rechtlern finden bereits fast 45 Prozent der befragten Kanzleien einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang wichtig und 55 Prozent schätzen eine einschlägige Station im Referen­dariat: „Straf­recht kann Kampf sein, man muss bewiesen haben, dass das einem liegt“, sagt ein gestan­dener Straf­ver­tei­diger. Auch die Bank- und Kapital­markt­rechtler wollen sehen, dass ein Bewerber das Rechts­gebiet kennt: Eine Lehre als Bankkaufmann schätzen 30 Prozent der befragten Kanzleien als wichtig ein. Eine einschlägige Station im Referen­dariat sogar 58 Prozent. Wiederum auffällig: Sprach­kennt­nisse sind inzwi­schen wichtiger als ein Doktor­titel. Selbst bei den regio­nalen Topkanz­leien finden nur 24 Prozent den Titel wichtig und gar nur noch 6 Prozent sehr wichtig. Am ehesten bringt der Titel noch etwas bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern (für fast 40 Prozent ist er wichtig).

Was bringt mehr Gehalt?

Beim Gehalt zeigt der vierte Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report einen neuen Trend: Die Bank- und Kapital­markt­rechtler bestimmen das Einstiegs­gehalt eher indivi­duell. Den Doktor­titel honorieren 38,5 Prozent mit einem Aufschlag, höhere Einstiegs­ge­hälter werden aber auch für Prädi­katsexamen, Ausland­ser­fahrung, LL.M oder einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang gezahlt. Bei den regio­nalen Topkanz­leien bringt dagegen nur der Doktor­titel (37,5 Prozent) und ein abgeschlos­sener Fachan­walts­lehrgang (31,3 Prozent) einen Aufschlag. Die restlichen Quali­fi­ka­tionen werden schlicht erwartet. Und bei den Straf­rechtlern honorieren immerhin noch 25 Prozent der befragten Kanzleien einen abgeschlos­senen Fachlehrgang. Ein dickes Plus beim Gehalt kann letztlich nur konkrete Berufs­er­fahrung bringen. „Wer von Anfang an als vollwer­tiger Anwalt einge­setzt werden kann, bekommt mehr“, erläutert ein Partner aus einer rheini­schen Landge­richts­stadt. Die Beschäf­tigung eines angestellten Anwalts ist immer auch eine unter­neh­me­rische Entscheidung. Am Ende darf die Sozietät nicht drauf zahlen.

Die Umfrage

Der Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei mittel­stän­di­schen Kanzleien in ganz Deutschland, bei Großkanz­leien (im Bank- und Kapital­markt­recht) sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden 25 Großkanz­leien und mehr als 300 mittel­stän­dische Kanzleien befragt. Über die Einstel­lungs­chancen und -voraus­set­zungen sprechen die Kanzleien nach wie vor gerne (die Verwei­ge­rungs­quote lag nur bei 13,6 Prozent). Auffallend ist aber, dass viele mittel­stän­dische Kanzleien bei den Einstel­lungs­ge­hältern keine Zahlen nennen. Zuviel Trans­parenz wird nicht geschätzt. Ungern über das Geld sprechen vor allem die Bank- und Kapital­markt­rechtler – und das nicht erst seit der Banken­krise. Das gilt aber nicht für die inter­na­tio­nalen und natio­nalen Großkanz­leien: Einstiegs­ge­hälter von 70.000 Euro bis zu 105.000 Euro in der Spitze werden nicht verschwiegen. Die Großkanz­leien erhielten einen Frage­bogen, mit den mittel­stän­di­schen Kanzleien wurden zwanzig­mi­nütige Telefon­in­ter­views geführt. Gesprächs­partner waren Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälte, die Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaften Bank- und Kapital­markt­recht (mehr als 650 Mitglieder) sowie Straf­recht (mehr als 3.200 Mitglieder) ermittelt. Die regio­nalen Topkanz­leien wurden nach Recherchen der Redaktion aus dem Bestand der Deutschen Anwalt­adresse gewählt. Voraus­setzung für die Auswahl war, dass die Kanzlei am Ort zu den größten gehört und ein weites Spektrum klassi­scher Rechts­ge­biete anbietet. Im Bank- und Kapital­markt­recht sowie im Straf­recht wurden nur Anwälte befragt, die nachhaltig im jewei­ligen Rechts­gebiet tätig sind. Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden durch Recherchen der Redaktion bei Anwäl­tinnen und Anwälten überprüft, die in örtlichen Anwalt­ver­einen, in den Landes­ver­bänden oder im Vorstand des Deutschen Anwalt­vereins aktiv sind.

Übersicht Bank- und Kapital­markt­recht
Übersicht Straf­recht
Übersicht regionale Topkanz­leien
Was bieten Großkanz­leien?
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 2/2008
Die Umfrage

Der Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere in diesem Heft beruht auf einer Umfrage bei mittel­stän­di­schen Kanzleien, bei Großkanz­leien sowie Recherchen der Redaktion. Insgesamt wurden 250 mittel­stän­dische und 26 Großkanz­leien befragt (23 haben geant­wortet), so dass sich für den gesamten Anwalts­markt im Bereich Immobilien Aussagen treffen lassen. Beim dritten Einstel­lungs- und Gehäl­ter­report war spürbar, dass nicht jede Kanzlei Trans­parenz bei den Einstel­lungs­ge­hältern schätzt. Während die Großkanz­leien offen über Einstiegs­ge­hälter sprechen, lag die Verwei­ge­rungs­quote bei den mittel­stän­di­schen Kanzleien im Baurecht und im Mietrecht bei rund einem Viertel, bei den Verga­be­rechtler immerhin noch bei 18 Prozent. Die Großkanz­leien erhielten einen Frage­bogen. Mit den mittel­stän­di­schen Kanzleien wurden zwanzig­mi­nütige Telefon­in­ter­views geführt. Gesprächs­partner waren Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälte, die Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaft Bau- und Immobi­li­en­recht (mehr als 2.800 Mitglieder), der Arbeits­ge­mein­schaft Mietrecht und Immobilien (mehr als 2.000 Mitglieder) sowie für das Verga­be­recht aus dem Bestand der Deutschen Anwalt­adresse gewählt. Es wurden nur Anwälte befragt, die nachhaltig im jewei­ligen Rechts­gebiet tätig sind. Das erklärt, warum in der Umfrage Sozie­täten (rund 80 Prozent) dominieren, obwohl auch viele Einzel­an­wälte gerade das Mietrecht (mit-)anbieten. Der Markt der Immobi­li­en­rechts­kanz­leien hat Tradition: Im Baurecht waren rund 30 Prozent der Gesprächs­partner länger als 20 Jahre und 53 Prozent länger als 10 Jahre zugelassen. Auch im Mietrecht dominierten Anwälte mit mehr als zehn Jahren Zulassung (mehr als 70 Prozent), nur im Verga­be­recht gibt es auch ein jüngere Garde (37 Prozent der Befragten waren zwischen fünf und zehn Jahren zugelassen). Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden durch Recherchen der Redaktion bei Vorsit­zenden von örtlichen Anwalt­ver­einen überprüft.

Übersicht Baurecht
Übersicht Mietrecht
Übersicht Verga­be­recht
Was bieten Großkanz­leien?
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 1/2008

Text: Rechtsanwalt Dr. Nicolas Lührig, Berlin

In den Top-Kanzleien macht ein Anwalt im Schnitt locker einen Jahres­umsatz von mehr als 500.000 Euro – entspre­chend hoch sind die Gehälter bei Fresh­fields Bruckhaus Deringer und Co. Doch nur kaum 3.000 Anwälte (und wenige Anwäl­tinnen) spielen in dieser Liga oben mit. Und wer heute noch dort auflaufen will, muss beste Examina, Promotion, LL.M. und sehr gute Fremd­spra­chen­kennt­nisse mitbringen. Und wer das nicht kann?

Viele der mehr als 145.000 Anwäl­tinnen und Anwälte – und der fast 8.000 Berufs­an­fänger pro Jahr – leben nach wie vor von den Fällen ihrer Nachbarn. Ganz vorne: Das Famili­en­recht. Oder auch das Arbeits- sowie das Verkehrs­recht (siehe den ersten Gehälter- und Einstel­lungs­report von Anwalts­blatt Karriere, Heft 1/2007, S. 24, abrufbar unter www.anwalts­blatt-karriere.de). Daneben gibt es die Nischen wie das Insol­venz­recht oder das Medizin­recht. Für drei Rechts­ge­biete befragte Anwalts­blatt Karriere wieder mehr als 300 Kanzleien:Wie sehen die Einstel­lungs­chancen aus? Was wird verdient? Und was erwarten die Kanzleien von einem Bewerber?

Selbständigkeit als Ausweg?

Der Traum vieler junger Asses­soren: Sie möchten als angestellte Anwälte in den Anwalts­beruf starten. Ohne das wirtschaft­liche Risiko der Mandats­be­schaffung wollen sie anwalt­liche Praxis sammeln. Doch für das Famili­en­recht geht diese Rechnung nicht auf: 94 Prozent der befragten Kanzleien stellen 2007 keinen Anwalt ein – und auch für 2008 gehen nur fünf Prozent davon aus, dass sie eine Stelle besetzen werden. Bemer­kenswert: Die Famili­en­rechts­kanz­leien suchen auch für benach­barte Rechts­ge­biete kaum Nachwuchs: Nur vier Prozent der Kanzleien planen außerhalb des Famili­en­rechts Einstel­lungen.

Der Trend ist eindeutig: Die sowieso hohe Quote der Einstel­lungs­ver­wei­gerer ist über die vergan­genen fünf Jahre eher gewachsen. Mehr als 73 Prozent der befragten Kanzleien im Famili­en­recht haben in den vergan­genen fünf Jahren überhaupt keine Anwälte einge­stellt.Was den Markt so schwierig macht? „Es sind nicht nur die vielen Mandate mit Prozess­kos­ten­hilfe, sondern auch die niedri­geren Streit­werte im Famili­en­recht – obwohl die Fälle gleichwohl viel Arbeit machen“, so Ingeborg Rakete-Dombek, Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft Famili­en­recht des Deutschen Anwalt­vereins, im September 2007 beim 4. Hanno­ve­raner ZPO-Symposium.

In der Tat: Gerade im Famili­en­recht dominieren die Mandate mit Prozess­kos­ten­hilfe (PKH) zu reduzierten Gebühren. Fast die Hälfte der befragten Kanzleien geben an, dass der Anteil der PKH-Mandate mehr als 70 Prozent betrage bzw. „hoch“ oder „sehr hoch“ sei. Der wirtschaft­liche Aufschwung scheint bei den Verbrau­chern – und damit bei den Anwälten – (noch) nicht angekommen zu sein. Und: „Der Mandats­kuchen wächst halt nicht so schnell wie die Anwalt­schaft“, resümiert ein Famili­en­rechtler mit fast 30 Jahren Berufs­er­fahrung. Eine Konse­quenz: „Berufs­starter machen sich aus Mangel an Einstel­lungs­chancen selbständig“, so Rechts­an­wältin Silke Water­schek, Vorsit­zende des Forums Junge Anwalt­schaft im Deutschen Anwalt­verein.

Kein Ausweg ist die Selbstän­digkeit beim Insol­venz­recht. Der Markt ist – anders als noch bei den Famili­en­rechtlern – fest in der Hand von Sozie­täten. Immerhin rund die Hälfte der befragten Kanzleien haben mehr als fünf Anwälte. Schließlich gilt: Ohne Referenzen vergibt kein Gericht Insol­venz­ver­wal­tungen – und ohne Insol­venz­ver­wal­tungen keine Referenzen. Doch während die wirtschaft­liche Erholung mit einer hohen Zahl von Unter­neh­mens­fu­sionen die Mergers & Acqui­si­tions-Abtei­lungen der Top-Kanzleien jubeln lässt, sind die Insol­venz­rechtler verhalten.

Die Zahl der (ertrags­schwachen) Verbrau­che­r­in­sol­venzen steigt, die Zahl der (lukra­tiven) Unter­neh­mens­in­sol­venzen geht zurück. Es fehlen die großen Mandate, die eine Kanzlei über Monate auslasten. Die Folge: Nur rund 15 Prozent der Kanzleien wissen heute schon, dass sie 2008 einstellen wollen – und von den offenen Stellen entfallen nur ein Drittel auf das Insol­venz­recht. Immerhin bemer­kenswert: Rund 15 Prozent der Kanzleien wollen noch abwarten. 70 Prozent werden 2008 aber überhaupt nicht einstellen. 2006 hatte noch mehr als ein Drittel der Kanzleien Nachwuchs rekru­tiert. Wie die Insol­venz­rechtler auf die Verän­derung des Marktes reagieren: Sie setzen auf das – weniger perso­nal­in­tensive – Beratungs­ge­schäft, wie Rechts­anwalt Dr. Andreas Ringst­meier berichtet (siehe dazu seinen Kommentar in diesem Heft auf Seite 22).

Ein Wachs­tums­markt ist dagegen das Medizin­recht. Die Fachan­walt­schaft Medizin­recht gibt es seit 2005. Die Arbeits­ge­mein­schaft Medizin­recht im DAV ist von 2006 bis 2007 allein um 15 Prozent auf jetzt mehr als 1.400 Mitglieder gewachsen. Und bei den Medizin­rechtlern ist der Optimismus groß: Immerhin 25 Prozent der befragten Kanzleien planen für 2008 Einstel­lungen – und über diese gute Nachricht sprachen die Kanzleien am Telefon gerne. Die Verwei­ge­rungs­quote war deutlich geringer als beim Famili­en­recht und dem Insol­venz­recht. Und die meisten Kanzleien haben auch in den vergan­genen Jahren einge­stellt. Nur 30 Prozent gaben an, seit 2002 keine Stelle besetzt zu haben.

Worauf achten Kanzleien bei der Bewerbung?

Der zweite Gehälter- und Einstel­lungs­report bestätigt: Den Königsweg durch die Juris­ten­aus­bildung gibt es nicht mehr. Jedes Rechts­gebiet entwi­ckelt sein eigenes Profil. Im Famili­en­recht sind die Anfor­de­rungen an die Bewerber stark von subjek­tiven Kriterien geprägt. „Persön­lichkeit!“, fordern die befragten Anwäl­tinnen und Anwälte auffällig häufig – was auch immer sie darunter verstehen. Im Vergleich zu anderen Rechts­ge­bieten sind Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­higkeit und Praxi­ser­fahrung vielen Arbeit­gebern wichtiger als glänzende Examina. Bei immerhin 65 Prozent der Kanzleien beendet ein ausrei­chendes Examen auch nicht gleich die Bewerbung. „Der Bewerber muss zum Team passen“, heißt es immer wieder. So überrascht es dann nicht, dass immerhin rund 40 Prozent der Kanzleien einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang „wichtig“ finden und sogar fast 14 Prozent „sehr wichtig“. Der Doktor­titel ist für 45 Prozent der Kanzleien „unwichtig“, rund 35 Prozent sagen, das er „nicht schadet“. Im Gegensatz zum LL.M.-Titel gibt es aber einzelne Anwälte, die den Doktor­titel „sehr wichtig“ (4,5 Prozent) finden.

Bei den Insol­venz­rechtlern zählen die klassi­schen Werte: Mindestens ein Prädi­katsexamen erwarten fast 55 Prozent der Kanzleien („sehr wichtig“ oder „wichtig“). Mit fast 50 Prozent kommen gleich dahinter die Sprach­kennt­nisse. Praxi­ser­fahrung wird – anders als im Famili­en­recht – von einigen Kanzleien gerade nicht erwartet: „Wir wollen die junge Anwälte selbst ausbilden“, sagt ein Insol­venz­rechtler. Ein abgeschlos­sener Fachan­walts­lehrgang ist aber immerhin für rund 23 Prozent der Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Promotion und LL.M. spielen keine besondere Rolle. Dafür fällt auf: Für rund acht Prozent der Kanzleien ist das Doppel­prä­dikat „sehr wichtig“ und für immerhin 38,5 Prozent „wichtig“.

Bei den Medizin­rechtlern zählt die Nähe zum Rechts­gebiet. Eine einschlägige Station im Referen­dariat ist für fast 40 Prozent der Kanzleien „wichtig“, für fast elf Prozent „sehr wichtig“. Mit einem abgeschlos­senen Fachan­waltskurs lässt sich ebenfalls punkten. Er ist für fast 40 Prozent „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Was ansonsten noch zählt? Sprach­kennt­nisse (fast 47 Prozent sagen „wichtig“ oder „sehr wichtig“). Das Doppel­prä­dikat ist nur 20 Prozent der Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Und bei immerhin 55 Prozent der Kanzleien ist auch eine Bewerbung mit einem „ausrei­chenden“ Examen nicht völlig chancenlos.

Bei der Vergütung bleibt es beim Trend: Das unter­neh­me­rische Risiko des Arbeit­gebers soll auch vom angestellten Anwalt mitge­tragen werden. Prämien oder Umsatz­be­tei­li­gungen sind in rund 40 Prozent der Kanzleien üblich. Wie wichtig inzwi­schen die Fachan­walt­schaften geworden sind, zeigt sich im Insol­venz­recht sowie im Medizin­recht: Fast alle Kanzleien finan­zieren ihren jungen Anwälten den Fachan­walts­kursus und stellen sie für Fortbil­dungen frei. Bei den Famili­en­rechtlern liegt der Wert mit 80 Prozent nur gering­fügig niedriger. Auffällig: Kanzleien, die beim Gehalt sparen, müssen das auch. Sie geben gleich­zeitig an, dass sie überwiegend PKH-Mandate (mit einem Umsatz­anteil von fast durchweg mehr als 80 Prozent) bearbeiten. Das erklärt dann auch die Reaktion eines Famili­en­rechtlers, der auf die Frage zum PKH-Anteil sagte: „Eine Prozentzahl bekommen sie vom mir nicht, weil die nur Neid erzeugt.“

Spezialfall Anwältinnen?

Was sonst noch spannend ist? Das Famili­en­recht gilt als Domäne der Anwäl­tinnen, die – so das Vorurteil – schlechter als die männlichen Kollegen verdienen. Doch beide Behaup­tungen vermag zumindest dieser Gehälter- und Einstel­lungs­report nicht zu stützen. Bei den befragten Kanzleien lag der Anteil der Anwäl­tinnen im Medizin­recht bei 51,2 Prozent und im Famili­en­recht nur unwesentlich höher bei 51,9 Prozent – das Insol­venz­recht ist dagegen fest in Anwaltshand. Auch alters­mäßig fällt im Familien- und Medizin­recht nichts auf: Anwäl­tinnen gibt es in allen Alter­s­stufen, die Jungen dominieren keineswegs. Und bei den Gehältern? Das höchste Einstiegs­gehalt im Famili­en­recht zahlt eine Anwältin mit 60.000 Euro, das niedrigste ein Anwalt mit 18.000 Euro.

Die Umfrage

Der Gehälter- und Einstel­lungs­report von Anwalts­blatt Karriere beruht auf einer telefo­ni­schen Umfrage bei Anwäl­tinnen und Anwälten sowie auf Recherchen der Redaktion. Befragt wurden insgesamt 314 Kanzleien in ganz Deutschland, wobei 150 den Fragen­ka­talog weitgehend vollständig beant­wortet haben. Die Quote der verwei­gerten Antworten war vor allem im Famili­en­recht und im Insol­venz­recht hoch. Im Famili­en­recht nahmen viele Kanzleien an der Umfrage nicht teil, weil sie keinen Nachwuchs suchen und deshalb auch keine Standards für die Suche hätten (Kommentar: „Ich werde nie jemanden einstellen“).

Im Insol­venz­recht betrachten die Top-Kanzleien nach wie vor Gehälter und Vergü­tungs­struk­turen als Geschäfts­ge­heimnis – die Ergeb­nisse sind daher von den kleineren Kanzleien mit vielen Verbrau­che­r­in­sol­venzen geprägt. Die zwanzig­mi­nü­tigen Telefon­in­ter­views wurden mit Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälten geführt, die Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaft Famili­en­recht (der mit mehr als 6.000 Mitgliedern größten Arbeits­ge­mein­schaft des Deutschen Anwalt­vereins), der Arbeits­ge­mein­schaft Insol­venz­recht und Sanierung sowie der Arbeits­ge­mein­schaft Medizin­recht gewählt. Befragt wurden nur Anwälte, die nachhaltig in dem jewei­ligen Rechts­gebiet tätig sind. Das erklärt, warum überwiegend Anwäl­tinnen und Anwälte befragt wurden, die in Sozie­täten tätig sind. Ihr Anteil lag bei 66 Prozent (Famili­en­recht) bzw. fast 90 Prozent (Insol­venz­recht und Medizin­recht). Anwälte mit einer Anwalts­zu­lassung von weniger als fünf Jahren waren in der Minderheit. Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden durch Recherchen der Redaktion bei Vorsit­zenden von örtlichen Anwalt­ver­einen überprüft. Der erste Gehälter- und Einstel­lungs­report (Heft 1/2007) von Anwalts­blatt Karriere hatte sich auf das Arbeits­recht, Verkehrs­recht sowie das Urheber- und Medien­recht bezogen.

Der Weg in die Partner­schaft

Das freibe­ruf­liche Ideal geht davon aus, dass auch ein angestellter Anwalt irgendwann Partner wird. Doch die Selbstän­digkeit als Gesell­schafter einer Kanzlei ist keineswegs mehr das Standard-Karrie­reziel. Nur rund dreiviertel der befragten Kanzleien suchen noch zukünftige Partner. Inter­essant:

Bei den Famili­en­rechtlern ist der Wert leicht höher. Dort finden sich noch klassische Kanzleistruk­turen mit kleineren Zwei- oder Drei- Personen-Sozie­täten. Das erklärt auch, warum im Famili­en­recht die Aufnahme in eine Sozietät viel schneller geht als in größeren Kanzleien. Immerhin 20 Prozent der Kanzleien entscheiden innerhalb der ersten zwei Jahre über eine Partner­schaft und ein Viertel im dritten bis fünften Jahr. „Wenn es menschlich passt und die Zahlen stimmen, dann läuft das“, sagt eine der befragten Anwäl­tinnen. Bei den Medizin­rechtlern fällt die Entscheidung fast immer bis zum fünften Jahr, während in den Insol­venz­recht­spraxen fast 24 Prozent der Kanzleien inzwi­schen fünf bis acht Jahre bis zur Partner­schaft nennen.

Auffällig ist aber: Rund ein Drittel der Kanzleien (im Famili­en­recht sogar 36 Prozent) geben keine festen Wert mehr an. Es hänge alles an der Persön­lichkeit der Anwältin oder des Anwalts, heißt es immer wieder – gekoppelt mit dem Stoßseufzer: „Vielen jungen Kollegen fehlt der unter­neh­me­rische Drang, sie scheuen jedes Risiko“, urteilt ein Famili­en­rechtler.

Fachan­waltskurs bringt höheres Gehalt

Qualität hat ihren Preis. Damit recht­fer­tigen Anwälte gerne hohe Honorare. Doch wie sieht es bei den Gehältern aus? Wer eine der raren Stellen ergattert, kann durchaus Aufschläge heraus­holen. Bei den Medizin­rechtlern wird vor allem Berufs­er­fahrung zusätzlich honoriert (62 Prozent der befragten Kanzleien). Mit einem Doktor­titel gibt es bei 27 Prozent der Kanzleien im Medizin­recht mehr, und selbst der – von vielen als wenig wichtig empfundene – LL.M-Titel wird von 20 Prozent dieser Kanzleien noch honoriert.

Das entspricht dem Wert für einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang. Bei den Insol­venz­rechtlern gibt es bei mehr als der Hälfte der befragten Kanzleien einen Aufschlag für Doktor­titel oder LL.M sowie für Berufs­er­fahrung. Den Fachan­walts­lehrgang honorieren ebenfalls rund 20 Prozent der Kanzleien. Bei den Famili­en­rechtlern ist es schon deutlich schwie­riger, einen Aufschlag heraus­zu­handeln. Allen­falls für Berufs­er­fahrung und abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang wären etwa jeweils 20 Prozent der Kanzleien bereit, das Einstiegs­gehalt zu erhöhen. Die DAV-Anwalt­aus­bildung könnte 14 Prozent der Kanzleien zu einem Aufschlag verleiten. Eine einschlägige Station im Referen­dariat brächte dagegen nichts.

Übersicht Famili­en­recht
Übersicht Insol­venz­recht
Übersicht Medizin­recht
Der gesamte Beitrag aus Anwalts­blatt Karriere 2/2007

Text: Rechtsanwalt Dr. Nicolas Lührig, Berlin

100.000 Euro pro Jahr, wer träumt nicht davon? Die Spitzen­kanz­leien locken den Nachwuchs mit attrak­tiven Start­ge­hältern. Wer zwei „gute“ Examen, Doktor­titel, LL.M. und sehr gute Fremd­spra­chen­kennt­nisse hat, kann sich den Arbeit­geber auswählen. Aber auch mit zwei „voll­be­frie­di­genden“ Examina sind die Chancen immer noch bestens.

Und der Rest? Von den 10.000 Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens werden mehr als 8.000 Anwalt. Anwalts­blatt Karriere blickt in seinem ersten Heft auf den Markt jenseits der Spitzen­kanz­leien. Der etwas andere Gehälter- und Einstel­lungs­report: Was verdient ein Anwalt im Arbeits­recht, im Verkehrs­recht oder im Urheber- und Medien­recht?

Gibt es überhaupt Stellen? Anwalts­blatt Karriere befragte 300 Kanzleien. Der Wettbewerb in der Anwalt­schaft ist hart. Ob es die großen Kanzleien sind oder die kleineren, ob es exklusive Mandate sind oder die Massen­sachen: Die Lizenz zum Gelddrucken gibt es in keinem Rechts­gebiet mehr. Nur wer Ideen hat, schnell arbeitet, besser als die anderen ist und sich intel­ligent vermarktet, hat Chancen. Die Anwalt­schaft wächst unver­mindert – unter Berück­sich­tigung der Abgänge vor allem aus Alters­gründen – jedes Jahr um 5.000 Anwäl­tinnen und Anwälte. 1995 gab es 75.000 Anwälte, Anfang 2007 lag die Zahl fast doppelt so hoch (143.000).

Wer stellt ein?

Und doch gibt es (wieder) Perspek­tiven, wie die Umfrage von Anwalts­blatt Karriere zeigt. Fast ein Viertel (23,5 Prozent) der befragten Kanzleien mit einem Schwer­punkt Arbeits­recht (ohne Großkanz­leien) planen für 2007 im Arbeits­recht Neuein­stel­lungen. Diese Kanzleien sind auch ansonsten einstel­lungs­freudig: Rund ein Drittel dieser Kanzleien wollen 2007 noch weitere Einstel­lungen vornehmen. Gesucht wird für benach­barte Rechts­ge­biete wie das Gesell­schafts­recht. Optimis­tisch schauen vor allem die Kanzleien in die Zukunft, die überwiegend die Arbeit­ge­ber­seite vertreten. Dass sich eine Erholung im Markt abzeichnet, macht ein Rückblick deutlich: In 2005 hatten dreiviertel der befragten Kanzleien im Arbeits­recht überhaupt keine Anwälte einge­stellt, in 2006 waren das immerhin noch fast 60 Prozent. Trotz eines Schwer­punkts im krisen­si­cheren Arbeits­recht waren die Kanzleien bei ihrer Einstel­lungs­praxis zurück­haltend gewesen. Die Umfrage zeigt aber noch etwas: Es gibt eine Gruppe von Kanzleien im Arbeits­recht, die – trotz aller Schwan­kungen im Markt – beständig wachsen und auf der Suche nach Nachwuchs sind.

Gute Einstiegschancen gibt es auch im Urheber- und Medien­recht. Rund 60 Prozent der befragten Kanzleien (ohne Großkanz­leien) mit einem Schwer­punkt im Urheberund Medien­recht wollen 2007 einen jungen Kollegen oder eine junge Kollegin einstellen. Aller­dings: Nur ein Drittel dieser Kanzleien suchen im Urheber- und Medien­recht. Andere gefragte Rechts­ge­biete sind der Gewerb­liche Rechts­schutz, das IT-Recht und – immer noch und immer wieder – das Patent­recht. Auch im Urheber- und Medien­recht gilt: Der Markt erholt sich. 2005 hatten nur 36 Prozent der befragten Kanzleien Anwäl­tinnen oder Anwälte einge­stellt, 2006 lag der Wert dann schon bei 54 Prozent. Schlechte Nachrichten kommen aus dem Verkehrs­recht, einem Rechts­gebiet, das Tausende von Einzel­an­wälten und kleinere Kanzleien beackern. Nur gerade drei Prozent aller befragten Kanzleien mit Schwer­punkt Verkehrs­recht wollen 2007 einen Verkehrs­rechtler einstellen. Nur weitere rund 12 Prozent der Kanzleien suchen überhaupt Nachwuchs. Auffallend im Verkehrs­recht: Fast 60 Prozent aller befragten Kanzleien haben in den vergan­genen fünf Jahren keinen Anwalt mehr einge­stellt und auch 2005 und 2006 hatten nur rund 16 bzw. 13 Prozent der Kanzleien neue Anwälte an Bord genommen. Die Gründe für diese Zurück­haltung sind vielschichtig: „Es gibt im Verkehrs­recht einen Konzen­tra­ti­ons­prozess, immer mehr Haftpflicht­ver­si­cherer arbeiten mit immer weniger Kanzleien zusammen“, sagt Rechts­anwalt Jörg Elsner, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Verkehrs­recht im DAV. Die Folge dieser Entwicklung: Eine kleine Gruppe von Kanzleien suche hände­ringend nach Nachwuchs, während viele ehemals sehr erfolg­reiche Kanzleien eher zurück­haltend seien. Und noch einen Grund nennt Elsner: Die Versi­che­rungen hätten das Schadens­ma­na­gement ausgebaut, um die Anwälte zurück­zu­drängen. „Das erschwert vielen Kanzleien das Geschäft“, sagt Elsner.

Was zählt bei der Bewerbung?

Die Kanzleien schauen bei den Kandi­daten nach wie vor stark auf die Examens­noten, aller­dings eher auf die schlechten. Ansonsten kommt es immer stärker auf andere Leistungen in der Ausbildung an. Solides Jurawissen wird als selbst­ver­ständlich voraus­ge­setzt: „Ich will erkennen können, dass ein Bewerber in unserer Kanzlei als Anwalt reüssieren kann“, sagt ein Anwalt. Vor allem ein „ausrei­chendes“ Examen beendet in vielen Kanzleien die Bewerbung. Im Urheber- und Medien­recht wollen 73 Prozent der Kanzleien, im Arbeits­recht 65 Prozent und im Verkehrs­recht rund 43 Prozent keine schlechten Examens­noten sehen. Bei den besseren Noten sind die Vorstel­lungen dann so vielfältig wie die Kandi­daten. Aller­dings mit einem klaren Trend: Zumindest ein Prädi­katsexamen wird von fast dreiviertel aller befragten Kanzleien – egal aus welchem Rechts­gebiet – als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ bezeichnet. Das seltene Doppel­prä­dikat ist dann schon deutlich weniger Kanzleien „sehr wichtig“ (im Urheber- und Medien­recht 23 Prozent, im Arbeits­recht 19 Prozent, im Verkehrs­recht nur drei Prozent). Auffällig ist: Während das Doppel­prä­dikat im Verkehrs­recht und Arbeits­recht immer noch vielen Anwälten „wichtig“ ist (38, 1 Prozent, und 30,8 Prozent), sinkt der Wert im Urheber- und Medien­recht auf nur noch rund acht Prozent.

Dafür zählen im Urheber- und Medien­recht dann andere Leistungen: Nichts ist dort so wichtig wie Fremd­spra­chen­kennt­nisse (für fast 58 Prozent der befragten Kanzleien „sehr wichtig“ und für 23 Prozent „wichtig“). Kein Wunder ist es dann, dass auch 60 Prozent der Kanzleien im Urheber- und Medien­recht Ausland­ser­fahrung wünschen. Immerhin die Hälfte aller Kanzleien im Urheber- und Medien­recht erwarten einen Doktor­titel – auch ein Spitzenwert in der Umfrage. Im Arbeits­recht und Verkehrs­recht wünschen sich die Kanzleien vor allem Quali­fi­ka­tionen, die ein ernst­haftes Interesse für das Rechts­gebiet belegen. Eine einschlägige Station im Referen­dariat ist im Arbeits­recht für mehr als 65 Prozent der befragten Kanzleien „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Im Verkehrs­recht liegt der Wert bei rund 60 Prozent. Einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang Verkehrs­recht schätzen rund 35 Prozent der Kanzleien im Verkehrs­recht.

Bei den Großkanz­leien ist der LL.M.-Titel inzwi­schen eine Alter­native zum Doktor. Diesen Trend kann die Umfrage für andere Kanzleien nicht bestä­tigen. Bei den meisten befragten Kanzleien gilt: Weder hilft er, noch schadet er. Er kann allen­falls Sprach­kennt­nisse und Ausland­ser­fahrung belegen, die aber gerade im Verkehrs­recht von vielen Kanzleien nicht benötigt werden. Auch der Doktor­titel zieht – außerhalb des Urheberund Medien­rechts – immer seltener. Für fast die Hälfte der befragten Verkehrs­rechtler und für fast ein Drittel der befragte Arbeits­rechtler ist er schlicht „unwichtig“. Hilfreich ist der Doktor­titel nur noch bei einer kleineren Gruppe von Kanzleien: Im Verkehrs­recht finden immerhin noch rund 20 Prozent der befragten Kanzleien ihn „sehr wichtig“ oder „wichtig“, im Arbeits­recht liegt der Wert bei etwas über 30 Prozent. Wer promo­vieren will, sollte sich daher genau überlegen, was er damit erreichen will.

Was zählt beim Gehalt?

Den Job bekommen, ist schon schwierig genug. Anwalts­blatt Karriere fragte aber auch, welche Quali­fi­ka­tionen das Gehalt erhöhen. Die Antwort ist schlicht: Allein konkrete Berufs­er­fahrung in dem Rechts­gebiet steigert das Gehalt. Wer vom ersten Tag an richtig einge­setzt werden kann, darf mit einer höheren Vergütung rechnen. Längere Praktika in einer Kanzlei, die einjährige DAV-Anwalt­aus­bildung, praktische Erfah­rungen in Anwalts­sta­tionen oder regel­mäßige Mitarbeit in einer Kanzlei können – müssen aber nicht – das Gehalt steigern. Im Arbeits- und Verkehrs­recht wird inzwi­schen auch ein abgeschlos­sener Fachan­walts­lehrgang honoriert, eine Inves­tition in die Ausbildung, die sich also gleich doppelt lohnen kann. Die junge, erst 2006 einge­führte Fachan­walt­schaft Urheber- und Medien­recht hat sich dagegen noch nicht etabliert. Keine der befragten Kanzleien im Urheber- und Medien­recht legte Wert auf einen solchen Kursus.

Und die Partner- und Karrierechancen?

Doch das Gehalt ist nicht alles. Eine wichtige Frage für Berufs­starter sind die Chancen, Partner einer Sozietät zu werden – also unmit­telbar am Erfolg des Unter­nehmens Sozietät beteiligt zu sein. Die Partner­chancen in den großen Kanzleien sind in den vergan­genen Jahren gesunken. Wie sieht es bei den kleineren Kanzleien aus? Im Urheber- und Medien­recht suchen fast drei Viertel der befragten Kanzleien zukünftige Partner. Beim Arbeits­recht und Verkehrs­recht liegen die Werte geringer, wobei viele Kanzleien auch eine klare Aussage gescheut haben. Für immer mehr Kanzleien ist es denkbar, dass angestellte Anwälte auch dauerhaft in der Kanzlei arbeiten können, ohne jemals Partner zu werden. Wenn der Weg offen ist, dauert es in der Regel drei bis fünf Jahre, wobei auch immer mehr Kanzleien Zeiträume von fünf bis acht Jahren angeben (im Urheber- und Medien­recht sagen dies sogar mehr als 36 Prozent der Kanzleien). Es mag daher ein Trugschluss sein, dass die Partner­chancen bei den großen Kanzleien generell schlechter als bei kleineren Kanzleien seien. Die Wahrheit ist vielleicht, dass die Partne­raus­sichten generell schlechter geworden sind. Die Frage nach den Zeiten bis zur Assozi­ierung sind dann auch eher theore­ti­scher Natur: „Am Ende muss die persön­liche Chemie stimmen“, sagt ein Anwalt aus einer Zweimann-Kanzlei im Verkehrs­recht. „Wartezeit hin oder her.“

Der Text ist in Heft 1 von Anwaltsblatt Karriere (Sommersemester 2007) erschienen.

Die Umfrage

Der Gehäl­ter­report von Anwalts­blatt Karriere beruht auf einer telefo­ni­schen Umfrage bei Anwäl­tinnen und Anwälten sowie Recherchen der Redaktion.

Bei der telefo­ni­schen Umfrage wurden 300 Kanzleien in ganz Deutschland befragt. Nur 26 Kanzleien verwei­gerten die Mitwirkung gänzlich, wenige beant­wor­teten nicht alle Fragen. Die zwanzig­mi­nü­tigen Telefon­in­ter­views wurden mit Rechts­an­wäl­tinnen und Rechts­an­wälten geführt, die Mitglied im Deutschen Anwalt­verein sind. Die Gesprächs­partner wurden aus dem Mitglie­der­be­stand der Arbeits­ge­mein­schaft Verkehrs­recht (mehr als 5.600 Mitglieder), der Arbeits­ge­mein­schaft Arbeits­recht (rund 2.600 Mitglieder) und der Deutschen Anwalt­adresse gewählt. Es wurden nur Anwälte befragt, die nachhaltig in dem jewei­ligen Rechts­gebiet tätig sind. Aus diesem Grunde wurden auch überpro­por­tional viele Anwälte befragt, die in Sozie­täten arbeiten. Ihr Anteil bei der Umfrage lag bei mehr als 75 Prozent, während der Anteil der Einzel­an­wälte im Deutschen Anwalt­verein bei rund 45 Prozent liegt. Inter­na­tionale Großkanz­leien wurden beim Arbeits­recht sowie beim Urheber- und Medien­recht nicht berück­sichtigt (siehe dazu Gehälter in Spitzen­kanz­leien, S. 26). Anwälte mit einer Anwalts­zu­lassung von weniger als fünf Jahren waren in der Minderheit. Die Ergeb­nisse der Umfrage wurden durch Recherchen der Redaktion bei Vorsit­zenden von örtlichen Anwalt­ver­einen überprüft.

Der Text ist in Heft 1 von Anwaltsblatt Karriere (Sommersemester 2007) erschienen.

Gehälter in Spitzen­kanz­leien

Die Kanzleien mit den höchsten Einstiegs­ge­hältern sind in Deutschland die inter­na­tio­nalen Großso­zie­täten plus einige nationale Großkanz­leien und die so genannten trans­ak­ti­ons­be­zo­genen Boutiquen (kleinere Kanzleien, die im Geschäft der Großen mitmi­schen). Einstiegs­ge­hälter von 75.000 Euro bis mehr als 100.000 Euro (mit Prämi­en­zah­lungen) sind möglich. Voraus­setzung: Die Kandi­daten haben Doppel­prä­dikat, LL.M. oder Doktor und beste Fremd­spra­chen­kennt­nisse. Diese Kanzleien bieten auch Arbeits­rechtlern und Anwälten im Bereich IP/IT (Intel­lectual Property und Infor­mation Technology) gute Start­chancen.

In vielen Kanzleien gilt dabei, dass bei den Einstiegs­ge­hältern nicht nach den Rechts­ge­bieten diffe­ren­ziert wird (z.B. Gleiss Lutz). In einigen Kanzleien wird erwartet, dass der Berufs­an­fänger neben seinem „Spezi­al­rechts­gebiet“ auch im Bereich M&A (Mergers & Acqui­si­tions) Erfah­rungen sammelt (z.B. Hengeler Mueller). Für die Umfrage im Gehälter- und Einstel­lungs­report von Anwalts­blatt Karriere wurde dieses Markt­segment nicht berück­sichtigt, weil es die Durch­schnitts­werte verfälscht hätte.

Der Text ist in Heft 1 von Anwaltsblatt Karriere (Sommersemester 2007) erschienen.

Wie setzt sich das Gehalt zusammen?

Die Umfrage zeigt einen deutlichen Trend bei den Gehältern: Das Gehalt des Anwalts ist von Anfang an leistungs­be­zogen. Prämien- und Umsatz­be­tei­li­gungen sind in allen Rechts­ge­bieten üblich, mehr als die Hälfte der Kanzleien lehnen ein fixes Einheits­gehalt auch für den Berufs­starter ab. Am unter­neh­me­ri­schen Risiko der Einstellung soll sich – so wünschen sich die Kanzleien – der junge Anwalt betei­ligen. „Der Markt kennt hier aber viele Spiel­arten“, sagt ein erfah­rener Anwalt, auch wenn rund dreiviertel aller Anwälte als angestellte Anwälte anfangen. Als freie Mitar­beiter beschäf­tigen nur 15 Prozent der befragten Kanzleien junge Anwälte. Am Ende kommt es darauf an, zwischen Arbeit­geber und Arbeit­nehmer eine faire Lösung zu finden. „Es muss partner­schaftlich sein, sonst hat das ganze sowieso keine Zukunft“, so ein Arbeits­rechtler. Das erklärt auch, warum immerhin rund 10 Prozent der Kanzleien Misch­mo­delle fahren und sowohl angestellte Anwälte als auch freie Mitar­beiter beschäf­tigen.

Die Kosten für Fachan­walts­kurse werden von den Kanzleien häufig als Gehalts­be­standteil gesehen. Auch die Freistellung für Fachan­walts­kurse betrachten die Kanzleien vielfach als Teil der Vergütung.

„Gerade die profes­sio­nellen Kanzleien haben aber erkannt, dass in die Quali­fi­kation der eigenen Anwälte inves­tiert werden muss“, sagt ein Anwalt. Aller­dings berichten Vorsit­zende von Anwalt­ver­einen, dass sich gerade kleinere, finanz­schwä­chere Kanzleien mit den Kosten der Fortbildung schwer tun. Anderer­seits: Eine Kanzlei im Urheber- und Medien­recht sagte ganz selbst­be­wusst: „Wir besuchen keine Seminare, wir halten sie …“

Der Text ist in Heft 1 von Anwaltsblatt Karriere (Sommersemester 2007) erschienen.

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