Plädoyer für soziales Engagement

Doreen Fucke ist Rechtsanwältin. Sie engagiert sich für die "Aktion Bunt statt Braun – eine Menschenkette für Frieden und Toleranz“, die das Netzwerk Gelebte Demokratie Dessau-Roßlau organisiert. Mit der Menschenkette protestieren die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dessau-Roßlau jedes Jahr bunt und phantasievoll gegen den Aufmarsch von Neonazis anlässlich des Jahrestages der Bombardierung der Stadt am 7. März 1945.

Was treibt Sie an?

Sich zu beschweren, dass die Welt nicht gut sei, ist zu einfach. Wir sind alle gefordert. Ich nehme unseren Anwaltseid, „die verfas­sungs­mäßige Ordnung zu wahren und die Pflichten eines Rechts­an­walts gewis­senhaft zu erfüllen“ sehr ernst: Wir können nicht einfach Anwalt sein, ohne uns klar für unsere Verfassung zu positio­nieren und für sie einzu­stehen. Genera­tionen vor uns haben hart dafür gekämpft, dass wir in Frieden leben und uns selbst verwirk­lichen können. Das dürfen wir nicht aus Bequem­lichkeit aufs Spiel setzen.

Wieviel Zeit kann eine Anwältin (ein Anwalt) opfern?

Nur begrenzte. Neben Arbeit und Ehrenämtern muss man sich Zeit für Familie und Freunde, aber auch für einen selbst nehmen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass man selbst mit wenig Zeit vieles bewegen kann.

Was frustriert, was beglückt?

Frustrierend ist die Ignoranz vieler Kollegen. Ob es um den Einsatz gegen rechts­ex­tremes Gedan­kengut, für wirtschaftlich Schwache oder ähnliches geht – viel zu viele Kollegen zeigen keinerlei Interesse an gesell­schaft­lichem Engagement. Als Anwälte leben wir von der Gesell­schaft. Es sollte eine Selbst­ver­ständ­lichkeit sein, sich auch für diese einzu­setzen.

Was raten Sie dem Nachwuchs?

Machen! Kommende Schritte zwar abwägen, aber unbedingt gehen.

Und wofür das Ganze?

Ich will mir auch in ein paar Jahren noch im Spiegel ins Gesicht sehen und sagen können: „Ich bereue nichts. Ich habe mich nicht versteckt. Ich habe versucht, etwas zu ändern.“ Ich habe den Ehrgeiz, unsere beiden Kinder zu Toleranz, gesell­schaft­lichem Engagement, Empathie und Hilfs­be­reit­schaft zu erziehen. Das kann ich nur, indem ich diese Eigen­schaften, so gut ich kann, vorlebe. //

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