Editorial

Liebe junge Kolle­ginnen und Kollegen,

wenn Sie schon einmal gezweifelt haben, ob Ihre Juris­ten­aus­bildung Sie wirklich fit für ein langes Berufs­leben macht, sind Sie bei Anwalts­blatt Karriere richtig. Heft für Heft ‒ und das seit zehn Jahren ‒ bringt Anwalts­blatt Karriere Ihnen, der neuen Generation von Juris­tinnen und Juristen, die Vielfäl­tigkeit und den Facet­ten­reichtum des Anwalts­berufs näher. Denn die meisten Anwäl­tinnen und Anwälte lösen für ihre Mandanten nicht die Rechts­fragen, die Sie gerade für ihre Examina lernen. Praxis­ori­en­tiert und trend­be­wusst ‒ so ist und bleibt Anwalts­blatt Karriere der Wegweiser zu einem erfolg­reichen Berufs­ein­stieg.

Kein Wunder also, dass auch das Jubiläumsheft im Zeichen der Zukunft der Anwaltschaft steht. Es lässt sich nicht leugnen, der Markt für Rechtsdienstleistungen verändert sich gerade. „The competition that kills you doesn’t look like you“, warnt Prof. Richard Susskind bereits seit geraumer Zeit und meint damit Legal Tech-Unternehmen, die der Anwaltschaft mit ihren Produkten das Leben leichter machen können, aber auch etablierte Geschäftsmodelle von Kanzleien gefährden. Leverton ist eines dieser Unternehmen. Das Porträt seines Geschäftsführers Dr. Micha-Manuel Bues, eines gelernten Rechtsanwalts, gibt es ab Seite 12. Doch Legal Tech ist nicht die letzte Stufe der Tech-Evolution. Blockchains sind momentan vor allem im Zusammenhang mit Bitcoins ein Begriff. Bald könnten sie die technische Grundlage für Smart Contracts bilden (mehr dazu im Interview mit Rechtsanwältin Dr. Nina-Luisa Siedler). Ist Legal Tech deshalb ein Grund zu Panik? Wohl kaum, finden die Unternehmer, Anwältinnen und Anwälte im Einstellungsreport . Veränderungen hat es schon immer gegeben. Genauso wie Juris und Beck-Online nach und nach Bibliotheken und Entscheidungsbände abgelöst haben, wird sich der Anwaltsberuf auch an eine Welt der automatisierten Due Diligence und Smart Contracts anpassen.

Den Kern des Anwalts­berufs wird Legal Tech nicht verändern: Es ist ein „people’s business“. Hinter einem ernsten Rechts­problem stecken nicht selten persön­liche Schicksale. Das besondere Vertrau­ens­ver­hältnis zwischen Mandant und Anwalt können auch die schlausten Compu­ter­pro­gramme nicht ersetzen.

Lernen Sie deshalb, zuzuhören, seien Sie offen für Neues und gehen Sie auch mal den unkonventionellen Weg ‒ dann werden Sie ihren Platz in der Anwaltswelt schon finden.

Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg

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