Anwaltsrecht Grundkurs

Das Berufsrecht regelt nicht nur den Anwaltsberuf, sondern den Markt für Rechtsdienstleistungen.

Kaum eine Jura-Studentin, ein Jura-Student macht im Studium Bekanntschaft mit dem anwaltlichen Berufsrecht.Das ist auch gut so, noch mehr Pflichtstoff braucht das Jurastudium nun wahrlich nicht. Berufsrecht als Pflichtstoff wäre auch deshalb eine schlechte Nachricht, weil mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit ein beschränktes Verständnis des anwaltlichen Berufsrechts gelehrt und geprüft würde. Und damit sind wir schon bei der Frage, worum es beim Berufsrecht eigentlich geht. Man kann hier differenzieren zwischen einer „beschränkten“ Sicht (oder neutraler ausgedrückt einem BRAO-zentrischen Verständnis der Materie) und einer weiten Sicht auf „Berufsrecht im Kontext“ (einer eher regulierungstheoretischen Herangehensweise).

Lesen

Sobald eine Partei einen Rechtsanwalt mandatiert hat, darf der Gegenanwalt die Partei nicht mehr direkt kontaktieren. So mancher Anwalt wird sich schon einmal gedacht haben, wie viel einfacher und zielführender direkte Gespräche mit der Gegenpartei wären. Doch warum ist es eigentlich verboten, den Gegenanwalt zu umgehen?

 

Lesen

Mandanten fordern von Anwälten und Anwältinnen heute zunehmend Spezialisierung und Zusatzqualifikationen. Der Anwalt, welcher sich mit zwei Staatsexamina begnügte und zu praktisch jedem Rechtsgebiet ein wenig Beratung anbot, ist nicht mehr gefragt. Viele Anwälte haben daher die Ausbildung als Mediator als attraktive „Zusatzqualifikation“ für sich entdeckt. Immerhin gilt es vielerorts als „modern“, solche alternativen Methoden der Streitbeilegung anbieten und durchführen zu können. Ob das wirklich immer im Interesse des Mandanten liegt, der sich häufig ein entschiedenes Gerichtsurteil in seinem Sinne abholen möchte, anstatt als selbstloser Gutmensch anderen entgegenzukommen, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Lesen

Der Anwalt ist unabhängiges Organ der Rechtspflege. Doch wie unabhängig ist ein Anwalt? Juristen leben bekanntlich in einer Welt, welche vor allem durch Rechtsnormen geprägt ist. Sie unterliegen dabei oftmals der Gefahr, die Norm mit der Wirklichkeit gleichzusetzen. Vor allem Freiberufler wie zum Beispiel Rechtsanwälte haben in ihrer Geschichte immer wieder beredte Beispiele erheblicher Faktenblindheit im eigenen Berufsrecht geliefert, um den eigenen Berufsstand normidealistisch in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Die anwaltliche Unabhängigkeit ist ein Paradebeispiel für eine Berufsidealisierung.

Lesen

Juristen – nicht nur Richter und Staatsanwälte – sind Wahrheitsfanatiker. Obwohl die mit der Lüge verbundene Täuschung zum Alltagsgeschäft der Anwälte gehört, sie vielleicht am besten die Kunst der Lüge beherrschen, sie eigentlich wie leibhaftige Pinocchios mit langen Nasen herum laufen müssten, behaupten auch Rechtsanwälte leichtfertig, einem strikten Verbot der Lüge zu unterliegen. Berufsrechtlich wird es aus dem Sachlichkeitsgebot des § 43 a Abs. 3 S. 2 BRAO hergeleitet. Danach ist unter anderem die bewusste Verbreitung von Unwahrheiten untersagt. Prozessual ergibt sich die Wahrheitspflicht für Rechtsanwälte zum Beispiel aus § 138 ZPO. Natürlich gelten – wie für jedermann – auch die strafrechtlichen Bestimmungen der Verleumdung (§ 186 StGB) oder der falschen eidesstattlichen Versicherung sowie des Meineids (§§ 165, 166 StGB). Unabhängig davon geht die Rechtsprechung unausgesprochen von einer Art „gewohnheitsrechtlichem“ Verbot der Lüge aus. Als Beispiel sei nur das Zulassungsrecht bei Notaren oder Rechtsanwälten genannt: Wer hiermit falschen Angaben erwischt wird, sieht sich schnell mit dem Vorwurf der Lüge konfrontiert. Sie lässt den Bewerber unwürdig oder als ungeeignet erscheinen für den Beruf.

Lesen

Das Private wird öffentlich. Die Tendenz ist eindeutig. Der gläserne und allgegenwärtig unter Kontrolle stehende Bürger ist keine Schreckensvision mehr. Der Widerstand der Bürger gegen diese Entwicklung ist gering. Wer jedoch eine „Karriere“ als Anwalt einschlägt, sollte schweigen können. Der Anwalt ist berufsrechtlich nach § 43 a Abs. 2 BRAO sowie vertraglich gegenüber seinem Mandanten zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie ist strafrechtlich in § 203 StGB abgesichert, prozessual durch Zeugnis- und Auskunftsverweigerungsrechte sowie Beschlagnahmeverbote (wie z.B. § 97 StPO).

Lesen

Deutschlands Rechtsanwälte dürfen einen Zweitberuf ausüben. Vor allem dürfen sie gewerblich tätig sein, sei es als Hausverwalter, Geschäftsführer oder auch als Taxifahrer. Sie können sich auch zusätzlich zur eigenen Rechtsanwaltskanzlei in vergleichbarer Funktion als Rechtsanwalt bei einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber anstellen lassen. So sind Anwälte in den Rechtsabteilungen vieler Unternehmen tätig. Man nennt diese Juristen „Syndikusanwälte“.

Lesen

Deutschlands Rechtsanwälte üben zwar seit der Einführung der freien Advokatur 1878 einen „freien Beruf“ aus. Das Etikett „frei“ wird von ihnen jedoch nach wie vor nur einseitig verstanden. Der Beruf muss – so glauben sie – wegen der erhöhten Gemeinwohlrelevanz der anwaltlichen Tätigkeit besonderen beruflichen Restriktionen unterliegen im Gegensatz zu anderen – vor allem gewerblichen – Berufen. Diese Restriktionen finden ihren Ausdruck in einem besonderen Berufsrecht wie der BRAO, einer speziellen Verwaltung wie den Kammern oder einer berufsspezifischen Anwaltsgerichtsbarkeit.

Lesen